Die Landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaft

Die Landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaft
aus der „Chronik von Weddelbrook“ von Jürgen Schüchler

Zu den langwierigsten Arbeiten in der Landwirtschaft gehörte früher das Dreschen. Der Bauer mit seinen Knechten und Tagelöhnern war damit im Winter beschäftigt. Auf der Diele wurden mit Dreschflegeln die Körner aus den Garben geschlagen. Lehrer Wilhelm Mohr, Sohn des Weddelbrooker Gemeindevorstehers Claus Mohr, schrieb 1934:„Erst ums Jahr 1880/90 kamen die ersten Dreschmaschinen auf, die anfangs mit Handbetrieb versehen waren, später durch einen „Göpel“ getrieben wurden. Die erste Dampf­Dreschmaschine trat auf dem Besitze meines Vaters ums Jahr 1897 in Tätigkeit.“ An Handdreschmaschinen arbeiteten bis zu vier Mann; der Göpel als Antrieb für eine Dreschmaschine wurde von zwei Pferden gedreht.  Diese Art, in kürzester Zeit die Drescharbeit zu erledigen, war sicher Vorbild für andere Bauern im Dorfe. Am 12. Juli 1907 schlossen sich fünfzehn Bauern in der „Landwirtschaftlichen Betriebsgenossenschaft e.G.m.u.H. Weddelbrook“ zusammen. Dabei heißt die Abkürzung: eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung. Zu ihrem Vorsitzenden wählten sie den Inspektor Johannes Breckwoldt vom Gut Bissenmoor, als seinen Stellvertreter Claus Mohr und als Kassenverwalter Johannes Fock. Weitere Mitglieder waren aus Weddelbrook: Dietrich Mäckelmann, Heinrich Schmuck, Claudius Hargens, Hinrich Karstens, Adolf Dwenger, Claus Hargens, Adolph Viehmann vom Weddelbrooker Damm: Christian Böge aus Lentföhrden: Hans Wulf, Jacob Ratjen, Wilhelm Böge, Hinrich Schröder. Im § 2 der Satzung dieser Genossenschaft heißt es: „Der Gegenstand des Unternehmens ist die gemeinschaftliche Anschaffung und Benutzung landwirtschaftlicher Maschinen.“ Zuerst kauften die Bauern eine Dampflokomobile und eine Dreschmaschine. Dieser „Döschdamper“ hatte seinen Platz im heute noch vorhandenen Maschinenschuppen in Weddelbrook.. Im Herbst wurde die fahrbare Dampfmaschine mit vier Pferden zu den einzelnen Genossen gezogen. Bis zu 15 Mann waren dann bei einem solchen Großeinsatz beschäftigt. Nach dem 1.Weltkrieg leitete Maschinenmeister Johannes Peschel (sen.) die Arbeit. Ihm zur Seite stand der Heizer Gustav Böhm, der die Dampfmaschine mit Steinkohle oder Holz befeuerte. Außerdem sorgte er dafür, daß immer wieder Wasser in den Kessel nachgefüllt wurde. Zu den weiteren Arbeiten wurden Männer gebraucht, die die Namen „Losschnieder“, „Inlegger“, „Sackdreger“ und „Kaffdüvel“ trugen. Es war eine staubige Schwerstarbeit. Die Garbenbänder wurden „durchgeschnitten“, die losen Garben oben in den Dreschkasten „eingelegt“, die Kornsäcke auf den Boden „getragen“ und die ausgedroschenen Getreidehülsen in großen Tüchern fortgeschafft. Die letztgenannte Arbeit war besonders schmutzig und damit „teuflisch“. Nach wenigen Jahren sorgte eine Strohpresse für Klappen, die weniger Platz auf den Böden einnahmen. Doch nicht nur die Männer waren beim Dreschen stark gefordert, sondern das gleiche galt für die Bäuerin. Sie mußte mit ihren Mägden die große Mannschaft mit Essen und Trinken versorgen. 1927 ersetzte die Genossenschaft den „Döschdamper“ durch einen Lanz-Bulldog mit Dreschsatz. Außerdem wurden eine Walze und ein Motorpflug angeschafft. Neben Johannes Peschel arbeitete nun Paul Rammelsberg als Fahrer des neuen Traktors. Einige Jahre später kam ein starker Elektromotor in einem Kastenwagen als Antriebsmaschine hinzu. Diesen Drehstrommotor setzte man gern auf den Bauernhöfen ein, während der Lanz-Bulldog beim Dreschen auf dem Felde seine Arbeit verrichtete. Von 1947 bis 1954 übernahm Helmuth Kasper den Einsatz der Maschinen. In dieser Zeit, nämlich 1951, löste sich die „Landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaft“ auf. Die vorhandenen Maschinen übernahm die „Spar- und Darlehnskasse Weddelbrook“ und setzte die Arbeit mit Günter Kielmann als Betriebsleiter bis 1972 fort.

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