Die großen Moorbrände

Heiße Zeiten: Die großen Moorbrände

Grootmoorbrand

Handzeichnungen von Fritz Stoltenberg, 1893

 

Reichsweites Aufsehen erregte ein gewaltiger Moorbrand im Jahre 1893. Der
Sommer war heiß und es gab eine lang anhaltende Dürre. Preußisches Militär
hatte beim Übungsschießen Anfang Juli das Moorgelände in der Lentföhrdener
Heide in Brand geschossen.
Die Brandfläche wurde damals auf über eine Quadratmeile geschätzt.
Der ausgetrocknete Torfboden, Tannenschonungen und auch eine Getreidekoppel
brannten wie Zunder. Die Rauch- und Funkensäulen stiegen 30 bis 40
Meter empor.
2.500 Soldaten wurden zur Brandbekämpfung eingesetzt:
Zwei Bataillone Infanterie aus Altona, ein Pionierbataillon aus Rendsburg und
ein weiteres Bataillon Infanterie aus Neumünster.
Der Bahnhof Wrist glich einem Heerlager. Von hier aus wurden die ankommenden
Einheiten und Versorgungsgüter zur Brandstelle befördert. Die
schnell alarmierten Truppen waren anfangs schlecht ausgerüstet, in der Eile
konnte nur das Allernötigste mitgenommen werden. So musste beispielsweise
Kaffee mit Moorwasser gekocht werden. Erst als die Provianttransporte eintrafen,
verbesserte sich die Verpflegung merklich. Der Wrister Bahnhof hatte
Telegraphenanschluss, von hier wurden zügig Nachrichtenleitungen zu den
einzelnen Truppenteilen an den Brandherden gelegt.
Die Soldaten hoben insgesamt etwa 16 km Brandgräben aus, zum Teil 4
Meter breit und 1½ Meter tief.
Heute würde man das wohl als Pressesensation zur Quotensteigerung
ausschlachten, aber damals stand die Existenz des Dorfes auf dem Spiel. Erst
ein ausgiebiger Regen rettete Lentföhrden vor der Feuerwand. Trotzdem, das
Moor (bis zu 18 Metern tief) schwelte weiter, das Feuer brach immer wieder
aus. Häufig wurden die Truppen auch nachts alarmiert. Wasser war knapp,
die Soldaten mussten es in mühsamster Arbeit in den eigenen Feldkesseln
herbeischaffen.
Durch die anhaltende Trockenheit gelang es nicht, das Feuer innerhalb kurzer
Zeit einzudämmen. Die Feuerschlacht dauerte fast zwei Wochen. Aber auch
hier, wie immer im Unglück, gab es Gewinner:
Lebensmittelkonserven waren in kurzer Zeit durch die Truppen rundum aufgekauft
und es fanden sich sogar Marketender an den Lagerstellen der Soldaten
ein.

Am 02.07.1911 brannte es aus ungeklärten Gründen wieder.
Eine Fläche von etwa 1.200 ha Wald zwischen der Försterei Hasselbusch
(Mönkloh) und Lutzhorn wurde vernichtet. Die Wehren aus den umliegenden
Ortschaften konnten nur wenig ausrichten. Zur Unterstützung der Löschmannschaften
musste wieder Militär her. Pioniertruppen kamen aus Harburg.
Etwa 40 Arbeiter einer Bramstedter Firma begannen mit der Durchforstung der Brandschäden. Die angekohlten Stämme wurden abgeschlagen, an Ort und
Stelle auf Länge gebracht und mit einer eigens für diesen Zweck gebauten
Feldbahn zum AKN-Bahnhof in Lentföhrden gebracht. Die Loren wurden von
den genügsamen Mauleseln gezogen, Pferde verschlissen bei dieser Arbeit zu
schnell.

Die Schulstrasse in den 30er Jahren: Gleis der Moorbahn
Während des 1. Weltkrieges brannte es erneut. Im Juni 1917 wurden riesige
Flächen Opfer der Flammen. Die Löscharbeiten der Soldaten und Feuerwehren
dauerten etwa drei Wochen.
Die Soldaten waren froh, dass sie in der Nähe ihrer Garnison eingesetzt
wurden. An einer schnellen Eindämmung des Feuers bestand ihrerseits aus
naheliegenden Gründen kein sonderliches Interesse. Seltsamerweise entstanden
immer wieder neue Flächenbrände…
Die brauchbaren Stämme wurden von britischen Kriegsgefangenen gefällt und
konnten an die Firma Paßmann in Duisburg verkauft werden.
Etwa 2 Hektar Boden wurden um den Bahnhof herum hoch aufgestapelt. Erst
1920 gingen die letzten Transporte ab. Das Holz fand im Ruhrbergbau noch
Verwendung als Grubenholz.

Die gepunktete Linie zeigt den ehemaligen Verlauf der Mohrbahn

Biographie der Dofrgemeinschaft aus der Sicht der Jahre 1925 - 1940_Seite_02_Bild_0001

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