Jahre Entwicklungsgeschichte Heidmoor

Jahre Entwicklungsgeschichte Heidmoor
Otto Hülsen, 1969 Bad Bramstedt

Seit 1951 gibt es eine Gemeinde Heidmoor. Es hat einer langen, langsamen Entwicklung bedurft. Sie begann eigentlich mit dem großen Waldbrand, der 1911 in der Försterei Hasselbusch-Lutzhorn ausbrach und trotz des Einsatzes von etlichen Kompanien Soldaten und vielen Feuerwehren nicht gelöscht werden konnte. Was übrig geblieben war, war eine riesige Brandfläche. Der Wald und somit auch die Brandfläche von 1 200 ha gehörten der Preußischen Forstverwaltung. Die Forstverwaltung ließ die Brandfläche aufräumen, denn ein großer Teil des angekohlten Holzes war noch zu benutzen, vor allen Dingen als Grubenholz. Eine Firma in Bad Bramstedt wurde mit der Räumung beauftragt. Menschen, Pferde und Maulesel wurden in Baracken provisorisch untergebracht. Bis zum 7 km entfernten Bahnhof Lentföhrden wurde ein Feldbahngleis gelegt und nun begann ein emsiges Leben und Treiben.

Grubenholz in vorgeschriebener Länge türmte sich zu Bergen in Lentföhrden auf dem Bahnhofsplatz auf, denn von dort aus wurde es verladen und kam ins Ruhrgebiet. Der Transport bis zum Bahnhof erfolgte per Feldbahn. Die Feldbahnloren wurden von Pferden und Mauleseln gezogen. Der Verbrauch an Pferden war sehr groß, so daß man sich der zäheren und genügsameren Maulesel bediente. 1915, während des 1. Weltkrieges, trat eine Wandlung ein. Die Kriegsgefangenen mußten untergebracht und beschäftigt werden. Man trug sich mit dem Gedanken, teils der Not gehorchend, durch Kultivierung Land zu gewinnen. Die Brandfläche mit den angrenzenden Mooren (Grootmoor und Hockenseemoor zus. 500 ha) sollten in Ackerland und Weideflächen umgewandelt werden. Die zur Verfügung stehende Gesamtfläche betrug 1 700 ha. Die Domänenverwaltung des preußischen Landwirtschaftsministeriums nahm die Sache in Angriff. Es wurden drei große Kriegsgefangenenlager aufgebaut. Alles Holzbaracken in Serienbau. Eines am Ortsausgang von Lentföhrden in Richtung des späteren Heidmoor mit der Bezeichnung Lager 1 (Bild rechts). Das zweite Lager 7 km landeinwärts, in westlicher Richtung, dort wo später das Versuchsgut entstand. Das dritte Lager 3 km nördlich davon in Richtung Mönkloh. Auf den Brandflächen wurden die Aufräumungsarbeiten fortgesetzt und gleichzeitig wurde mit der Entwässerungsarbeit begonnen im Grootmoor. Die Struktur der beiden Moore war sehr unterschiedlich. Während das Grootmoor, ca. 90 % der gesamten Moorfläche, ein ausgesprochenes Hochmoor war, in der Mitte eine Mächtigkeit von 18 Metern besaß und an den Rändern bis auf drei Meter auslief, handelt es sich bei dem Hockenseemoor (die restlichen 10 %) um ein Übergangs- und Niederungsmoor. Die Randparzellen wurden schon zur Zeit der Verkoppelung, um das Jahr 1800, den Bauern der umliegenden Dörfer zur Torfgewinnung überlassen. Die ersten Entwässerungsmaßnahmen hatten keinen Bestand. Ein breiter Kanal, welcher von West nach Ost durch das Moor gegraben wurde, schlämmte in kurzer Zeit wieder zu. Daß das ganze Projekt nicht nur eine Augenblicksangelegenheit sein sollte, nur um Kriegsgefangene zu beschäftigen, ging daraus hervor, daß man schon 1915 auf allen drei Betriebsstellen je drei massive Häuser im Niedersachsenstil erbaute.

Von Erschließungsarbeiten, welche bei einem so großen Projekt wohl das erste sein müßten, kannte man damals wohl noch nichts. Das Baumaterial wurde mit Pferdefuhrwerken bis Lentföhrden und von dort auch wieder mit der Feldbahn an die Baustellen gebracht. Sämtliche Steine kamen von der Ziegelei Ragen. Wie viel einfacher wäre ein Transport gewesen, wenn man damals schon feste Straßen gehabt hätte.

Der erste Weltkrieg ging zu Ende, und die Kriegsgefangenen wurden in ihre Heimat zurücktransportiert, die Wachmannschaften wurden entlassen. Um das einmal begonnene Kultivierungsprojekt zu vollenden, mußte man notgedrungen auf Zivilgefangene zurückgreifen. Da außer dem oben genannten Projekt, so z. E. das Himmelmoor bei Quickborn, das Hohenfelder Königsmoor bei Dauenhof, das Dätgenermoor bei Nortorf, welche auch von der gleichen Administration verwaltet wurden und noch verschiedene Moore im Kreis Rendsburg, nördlich der Eider, für Kultivierungszwecke in Angriff genommen wurden, reichten natürlich die Gefangenen der schleswig-holsteinischen Strafanstalten nicht aus, um alle Betriebe mit Arbeitskräften zu versorgen. Aus Luckau, Lichtenburg, Görlitz, Wohlau, Celle und den übrigen Anstalten wurden die Außenarbeitsstellen beschickt. Es wurden ausnahmslos Zuchthausgefangene beschäftigt. Je eins der massiven Gebäude wurde ausbruchsicher hergestellt. Je 80 Mahn und die entsprechende Anzahl Aufsichtspersonal wurden auf jeder der drei Betriebsstellen untergebracht. Verwaltungsmäßig unterstanden die Strafgefangenenlager der Strafanstalt Rendsburg. Was 1915 überstürzt in Angriff genommen wurde, sollte ab 1918 planmäßig vollendet werden. In Rußland war der Bolschewismus an die Macht gekommen. Der Krieg war zwar beendet aber das Baltikum war in Gefahr, vom Kommunismus überflutet zu werden. Freiwillige wurden angeworben, um die kommunistische Gefahr abzuwenden. Den Freiwilligen wurde eine Existenz versprochen, den Landwirten darunter eine Siedlung. Es waren aber keine vorhanden, sondern sie mußten erst geschaffen werden. Auf diese Weise kamen dann 1920 die ersten Siedlungsanwärter nach dem heutigen Heidmoor. Es wurden zwei Siedlungsgenossenschaften gegründet, auf der Betriebsstelle Lager 2 die Siedlungsgenossenschaft „Kurland“ und auf der Betriebsstelle Lager 3 die Siedlungsgenossenschaft „Livland“. Federführende Genossenschaftsvorsteher waren ehemalige Offiziere. Sie hielten engen Kontakt mit der Domänenverwaltung und hatten dafür zu sorgen, daß jeder eine Siedlung erhielt. Bis dahin waren alle, der größte Teil noch unverheiratet, in Baracken untergebracht. Sie mußten beim Aufbau der Siedlungen in Gemeinschaftsarbeit helfen. 1921 war die erste Siedlung bezugsfertig. Der einzelne Besitz war ca. 25 ha groß. Die volle Ernte wurde auf dem Halm mit übergeben. Lebendes und totes Inventar wurde zur Verfügung gestellt. Die Gebäude waren allerdings so klein wie heute eine kleine Nebenerwerbssiedlung. Die Erträge waren so gering, daß davon keine Familie leben konnte. Es gab im wahrsten Sinne des Wortes viel Steine und wenig Brot. Vieh konnte nur in ganz begrenzter Zahl gehalten werden und für das bißchen Getreide war keine Scheune vorhanden. Die ersten Häuser waren mit Spitzdach versehen. Um mehr Bodenraum zu gewinnen, baute man versuchsweise einige Häuser mit so genannten Hallendächern. Heu für das Vieh mußte zugekauft werden, weil noch nicht genügend Weideland zur Verfügung stand. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse konnten nur unter schwierigsten Verhältnissen an den Markt gebracht werden, denn die Wege, sofern man diese überhaupt als solche bezeichnen konnte, waren grundlos. Jeder bahnte sich einen eigenen Weg durch die Heide. Wenn der Pastor aus Kaltenkirchen seine Seelen im Siedlungsgebiet aufsuchen wollte, mußte er das längste Stück des Weges zu Fuß gehen, Die Entfernung von der ersten bis zur letzten Siedlung betrug ca. 6 km. Die Kultivierungsarbeiten gingen indes nun planmäßig weiter. Von allen drei Betriebsstellen wurde jetzt systematisch die Entwässerung des Moores vorgenommen. Über offene Vorfluter, drainierte Sammler und Sauger wurde das Wasser abgeleitet. Sämtliche Gräben wurden von Menschenhand ausgehoben. Für den Feldbahnbetrieb wurden nun Benzollokomotiven angeschafft. Es begann der Wegebau im Moor, und sämtliche neu angelegten Wege wurden mit 30 cm Kies besandet. Man hat heute kaum noch eine Vorstellung davon, wie viel cbm Kies dafür benötigt wurden. Während die ersten Weiden mit der Hand mittels Moorhacken saatfertig gemacht worden waren, kamen später Großmaschinen zum Einsatz. Landbaumotoren, Moorwalzen und später auch Dampfpflüge wurden für die Moorkultivierung verwendet. Sämtliche Maschinen hatten Verbreiterungen an den Rädern von ca. 1 Meter. Des öfteren kamen Kommissionen aus Berlin vom Ministerium und von der Regierung in Schleswig, um die Betriebe und die Kultivierungsarbeiten zu besichtigen. Nicht zu jeder Jahreszeit waren die Wege mit Kutschwagen passierbar; es wurde deshalb in Eigenbau eigens für diesen Zweck ein so genannter Salonwagen gebaut. Er enthielt 8 Sitzplätze und einen offenen Peron und wurde von einer Lokomotive gezogen. Eine Weide nach der anderen wurde fertig und auch auf den Mineralflächen ging das Stubbenroden und Pflügen unentwegt weiter. Das viele im Boden verbliebene Wurzelwerk und die vielen Steine erschwerten das Pflügen sehr, deshalb wurden rumänische Zugochsen angeschafft. Was die Pferde nicht schafften, mußten die Ochsen besorgen. Für Menschen und Zugvieh gab es keine massiven Unterkünfte; alles war in Baracken untergebracht. Die Zugochsen wurden dann allmählich ersetzt durch Traktoren und anstatt der Zugochsen wurden Weidetiere angeschafft. Die Weidetiere wurden im Frühjahr angekauft und nach dem Abtrieb im Herbst wieder verkauft. Heu für die Siedler brauchte auch nicht mehr gekauft werden, weil jetzt jeder seine eigenen Wiesen hatte. Anfangs war das Moor aber noch so weich und die Grasnarbe noch nicht dicht genug, so daß man das geworbene Heu mit so genannten Heutragen bis zum besandeten Moorweg tragen mußte. Erst viel später konnte man die Wiesen mit Pferdefuhrwerken befahren. Wagen mit breiten Gummireifen gab es anfangs noch nicht. Die eisenbereiften Wagenräder mußten mit Verbreiterungen versehen werden. Selbst die Pferde konnten das Moor nur betreten mit so genannten Moorschuhen. Es waren einfache, dem Huf angepaßte Bretter, welche als Verbreiterung unter die Hufe geschnallt wurden. Weil die Siedler mitsamt ihren Familien auf ihren Höfen voll ausgelastet mit Arbeit waren, mußten von der Administration immer mehr Landarbeiter herangezogen werden. Eine Schule mußte erstellt werden und wurde wie alles andere in einer Baracke auf der Betriebsstelle II untergebracht. Im Jahre 1924 wurde in einem Waldstück, welches vom Brand verschont geblieben war, eine neue massive Schule mit Lehrerdienstwohnung erbaut. Zur Schule gehörten je 1 ha Acker- und Weideland als Dienstland für den jeweiligen Lehrer, um ihm eine eigene Viehhaltung zu ermöglichen. Die ersten Lehrer blieben jedoch nur kurze Zeit, weil ihnen die Naturverbundenheit fehlte. Der dritte Lehrer sah in seinem Beruf nicht nur eine dankbare Aufgabe, sondern war außerdem passionierter Jäger und Heger, er hat die Schule über 40 Jahre bis zu seiner Pensionierung geleitet. Das Dienstland hat er allerdings nie selber genutzt, sondern immer in Pacht gegeben. Der Schule wurden außerdem noch 10 ha Wald zur Nutzung und eine Moorfläche zur Torfgewinnung beigegeben. Weil ursprünglich geplant war, die gesamten Flächen aufzusiedeln, wurde auch daran gedacht, einen eigenen Friedhof anzulegen. In der Nähe der Schule wurde dafür eine Fläche ausgewiesen. Diesen Plan ließ man wieder fallen. Später hat man beschlossen, ein Restgut in der Größe von reichlich 600 ha in eigener Bewirtschaftung der Preußischen Domänenverwaltung bestehen zu lassen. Nach und nach entstanden bis 1924 zwischen der Betriebsstelle Lager II und der Kieler Straße 11 und bei der Betriebsstelle III 16 Rentengüter. 1921 kam noch eine weitere Siedlungsgenossenschaft dazu, und zwar „Die neue Heimat“. Aus ihr gingen allerdings nur zwei Betriebe hervor, die an dem Weg nach Lentföhrden liegen, aber noch unweit der Betriebsstelle Lager II. Die beiden Gebäude wurden im Eigenbau unter Leitung eines Baumeisters von der Administration erstellt. Für die Außenwände wurden aus Schlacke und Zement in besonderen Formen Winkelplatten hergestellt. Die Platten wurden so aufeinander gemauert, daß Hohlräume entstanden, welche mit Schlacke ausgefüllt wurden. Die ganze Bauweise ähnelt der heutigen Bauweise mit Hohlblockziegeln. Für die Zwischenwände wurden Zementsteine verwendet, welche auch im eigenen Betrieb hergestellt wurden. Eine Maschine mit 10 Formen, die man mit der Hand bedienen mußte, stand dafür zur Verfügung. Ebenso wurden auch die Dachziegel in einer Form mit der Hand gestrichen.

An demselben Weg wurden dann noch mit Unterstützung des Kulturamtes 5 so genannte Heimstättensiedlungen gebaut. Diese entsprechen den heutigen Nebenerwerbssiedlungen. Jeder Heimstättensiedlung wurde eine kleine Fläche Ackerland und ein sich anschließendes Stück unkultiviertes Moor beigelegt. Das Moor wurde den Siedlern zwecks Kultivierung später wieder enteignet mit der Einräumung des Rückkaufrechtes nach vollzogener Kultivierung. Einige Siedler haben von diesem Recht auch Gebrauch gemacht. Inzwischen hatte sich eine gewaltige Strukturwandlung sowohl was die Flora, wie auch die Fauna betrifft, vollzogen. Was früher Wald war mit viel Hochwild, war Ackerland geworden, und das Niederwild breitete sich mehr und mehr aus. Regenpfeifer und sonstige Schnepfenarten, welche vorher in Scharen das Moor besiedelten, sind fast ausgestorben.

Bis 1927 hatte man noch nicht an einen Straßenbau gedacht. Es war oftmals so, daß sich die Bauern, wenn sie mit ihren Gespannen in der Dunkelheit nach Hause kamen, auf den Orientierungssinn ihrer Pferde verlassen mußten. 1927 wurde dann die erste Teilstrecke, zirka 1/2 km, vom Ortsausgang Lentföhrden bis zum Lager 1 von der Administration als feste Straße ausgebaut. Die Beschaffung des Materials machte keine Schwierigkeiten, da alljährlich genügend Steine auf den Ackerflächen gesammelt wurden. 1928/29 wurde dann auch endlich aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge die Straße zur Betriebsstelle Lager II in einer Länge von 6 km gebaut. Auch hierfür lieferte die Administration das Material. Die Arbeitskräfte waren ausschließlich Arbeitslose die zum größten Teil aus Neumünster kamen. Ein schwerer Stein fiel allen Betroffenen vom Herzen, war doch der Weg, der unmittelbar vor den beiden Höfen der neuen Heimat durch ein kleines Wäldchen verlief, inzwischen so grundlos geworden, daß man zu einer Notmaßnahme greifen mußte. In der Mitte des Weges wurde in einer Länge von etwa 200 Metern ein breiter Graben 2 Meter tief ausgehoben, dieser mit Fichtenstubben gefüllt und wieder mit Erde abgedeckt. Auf diese Weise hatte man eine Drainage geschaffen, die sich bis zum Bau einer festen Straße bestens bewährt hat.

Im Jahre 1932 wurde der Rest des noch im Besitz der Administration befindlichen Teils des Lagers III in drei Siedlungsstellen aufgeteilt. Diese Siedlungen waren 50 ha groß, und jeder Siedlung wurde eins der vorhandenen Gebäude im Niedersachsenstil zugeteilt.

Die Kreis- und Gemarkungsgrenzen in dem Siedlungsgebiet waren so ineinander verzahnt, daß es schwer war, dazwischen durchzufinden. Die Gemarkungen von Lentföhrden, Nützen, Kaltenkirchen, Langeln, Heede, Lutzhorn, Mönkloh, Weddelbrook usw. reichten in dieses Gebiet hinein. Die Kreise Segeberg, Pinneberg und Breitenburg stießen im Siedlungsgebiet Lager III aneinander. Der Berührungspunkt der drei Kreise deckt sich ungefähr mit dem der Herrschaft Breitenburg, der Grafschaft Rantzau und des Amtes Segeberg um 1837. Ein Granitstein mit der Jahreszahl und eingehauenen Buchstaben kennzeichnet noch diese Stelle unmittelbar am Gutshof. Der Gutshof und eine in der Nähe liegende Siedlung hatten schon sehr früh den Charakter einer selbständigen Gemeinde und nannten sich Restgut Rantzau und gehörten zum Kreis Pinneberg. Es war ein Kuriosum, daß die Bewohner des Gutshofes täglich in den Kreis Segeberg mußten, um ihre Gärten zu bestellen und um ihre Hühner zu füttern. Zwischen dem Hofgrundstück und den Gärten und den Stallungen der Bediensteten verlief die Grenze zwischen den Kreisen Pinneberg und Segeberg. Im Jahre 1933 wurde das Lager 1 aufgelöst. Zwei der im Niedersachsenstil erbauten Häuser mit je ca. 25 ha Weideland wurden an zwei Bauernsöhne aus Lentföhrden abgegeben. Zur Vervollständigung der Siedlungen mußten die Väter von ihren Höfen das Ackerland dazugeben.

1935-1936 baute der Reichsarbeitsdienst im Zuge der Wegebaumaßnahmen die Straße von der Betriebsstelle Lager II über Lager III bis nach Weddelbrook. Damit hat der Reichsarbeitsdienst sich ein Denkmal gesetzt. Zur Erinnerung an diese Maßnahme steht auf halbem Wege nach Weddelbrook ein Stein von einem Arbeitsdienstler behauen mit der Inschrift‚ “düs Stroot hebt wie mookt Reichsarbeitsdienst 1935-1936“. Ein Jahr zuvor hat schon der freiwillige Arbeitsdienst einen Vorfluter südlich des Grootmoores in einer Länge von 3 km vertieft, verbreitert, und wo es nötig war die Ufer desselben befestigt.

Auch aus Mitteln der produktiven Arbeitslosenfürsorge wurde als letzte Straßen-baumaßnahme nun auch noch die Straße von der Betriebsstelle Lager II bis nach Heidkaten-Langeln durchgeführt. Ungefähr alle Siedler wohnten jetzt im gesamten Siedlungsgebiet an einer festen Straße. Man hatte also im wahrsten Sinne des Wortes, was die Erschließungsmaßnahmen betrifft, das Pferd am Schwanze aufgezäumt.

Wenn auch die Kultivierungsarbeiten im großen und ganzen abgeschlossen und die Verkehrsverhältnisse in Ordnung waren, so blieb doch noch viel zu tun übrig. Es befand sich im Mineralboden ein Ortsteinhorizont in schwankender Tiefe und unterschiedlicher Mächtigkeit, welche stellenweise über die Zwei-Meter-Grenze geht. Mit Dampfpflügen hat man versucht, den Ortstein zu brechen. Dieses gelang aber nur auf Flächen, deren Ortsteinschicht nicht über eine Tiefe von 70 cm hinausging, so daß heute noch Flächen von 0,25-3 ha vorhanden sind, deren Ortsteinhorizont nicht zerstört ist. Diese Flächen sind gegen Nässe, wie auch gegen Trockenheit sehr empfindlich, so daß Witterungsschwankungen die Ertragssicherheit ausschlaggebend beeinflussen.

1935 wurde die Mooradministration Lager II an die heutige Bundesversuchs- und Forschungsanstalt für Milchwirtschaft in Kiel als Versuchsgut überlassen. Dem Institut für Milcherzeugung stand der gesamte Viehbestand für Versuchszwecke zur Verfügung. Es handelte sich um 80 Milchkühe, entsprechendes Jungvieh und ca. 400 Schweine. Es waren inzwischen auf der Administration massive Viehställe, ein Verwaltungsgebäude und mehrere Landarbeiterwohnungen erbaut worden. Dem Institut für Futterbau wurden für dauernde Versuchszwecke 15 ha Mineralfläche und 3 ha Moorweiden zur Verfügung gestellt. Die übrigen Flächen wurden weiterhin intensiv bewirtschaftet.

Bis 1936 bildeten die Siedlungen und die staatliche Mooradministration den Gutsbezirk Rantzau. Da eine eigene Gemeinde nicht lebensfähig erschien, wurde durch Verfügung des Regierungspräsidenten der Gutsbezirk Rantzau aufgelöst und die Siedlung in drei Teile geteilt und diese den Gemeinden Weddelbrook, Nützen und Lentföhrden angegliedert. Es wurde ein neuer Schulverband gegründet. Der Gesamtschulverband kam durch Austausch mit der Mooradministration in den Besitz von 100 ha Ländereien (Wald, Ackerland, Moor und Heide). Das Ackerland entstammte einer abgebrannten und einer aufgegebenen Siedlung. Es wurde den anliegenden Siedlern verpachtet. Die Siedler erhielten vom Staat zinsverbilligte Kredite, um ihre Gebäude umzubauen und zu erweitern. Durch Fleiß und viel Mühe waren nun aus den Siedlungen gut fundierte Bauernhöfe geworden.

Am 1. Juni 1951 wurde die Gemeinde Heidmoor gegründet. Die Schule und die dazugehörigen Ländereien wurden von der Gemeinde übernommen. Die junge Gemeinde, welche dem Kreis Segeberg angehört und verwaltungsmäßig dem Amt „Bad Bramstedt Land“, war sehr rührig. Sämtliche Wirtschaftswege wurden neu besandet und die Wege von der B4 bis nach Weddelbrook und weitere Hauptwege mit einer Teerdecke versehen. Es wurde eine Feuerwehr gegründet und ein Feuerwehrgerätehaus mit anliegender Wohnung gebaut. Moderne Feuerwehrgeräte wurden angeschafft, die Schule wurde repariert, mit hygienischen Einrichtungen versehen und auch mit Ölheizung usw. Die Gemeinde hat bewiesen, daß sie absolut lebensfähig ist.

Das Versuchsgut, welches dem Bund gehörte, wurde vom Land Schleswig-Holstein übernommen und im Jahre 1964 an die Schleswig-Holsteinische Landgesellschaft verpachtet. Die Versuchstätigkeit wurde bis auf die Futteranbauversuche eingestellt. Alle Höfe an der Straße vom Versuchsgut bis zur B 4 wurden von der Infrastrukturverwaltung aufgekauft, und die Gebäude wurden dem Erdboden wieder gleichgemacht. Die dazugehörigen Ländereien werden bis zum Bau des Großflughafens von der Landgesellschaft mitbewirtschaftet. Die Gemeinde Heidmoor wird flächenmäßig und auch an Einwohnern um die Hälfte kleiner. Somit beginnt wieder eine neue, große Strukturwandlung des ganzen Gebietes.

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