Die Entwicklung der Meierei

Die Entwicklung der Meierei                                                        bis 1950 von Erwin Voß

Den Anfang gewissermaßen zu der heutigen modernen Meierei machte der Bauer Jakob Rathjens. Er ließ im Jahre 1888 eine Meierei auf eigene Rechnung bauen. Er hatte sich allerdings gesichert, denn die Bauern von Lentföhrden und Nützen mussten sich verpflichten, ihre Milch an ihn abzuliefern. Vierzehn Jahre später, im Jahre 1902, fing Nützen an, die Milch nach Kaltenkirchen zu liefern. Lentföhrden baute damals eine der Zeit entsprechend eingerichtete neue Meierei. Auch diese war in gewissem Sinne noch eine Privatmeierei. Sie wurde von Henning Schulz gebaut. Den Charakter einer Genossenschaft hatte sie insofern, als einige Bauern den Bau finanziert hatten. Eine richtige Meierei-Genossenschaft wurde im Jahre 1907 mit 17 Genossen gegründet. Schulz wurde abgefunden. Mit 24 000 Mark Schulden übernahm die Genossenschaft, die jetzt die Bezeichnung „Meierei- und Müllerei-Genossenschaft m.u.H.“ führte, den Betrieb. In den Vorstand wurden gewählt:  Wilhelm Böge, Heinrich Möller und Hinrich Wessel als Vorsteher, sowie Hinrich Mäckelmann als Protokollführer. Damit die Mühle existenzfähig war, war jeder Genosse nach den Satzungen verpflichtet, sein geerntetes Korn zum Schroten nach hier zu bringen. Die damaligen Betriebsleiter waren Hermann Thams und Johannes Mönk. Seit dem 15. März 1909 wurde der Betrieb von Johannes Holst geführt, der aber auf Grund eines Nieren- und Herzleidens die Arbeit seinem Schwiegersohn Rudolf Thieß übergeben musste.

Während die Genossenschaft anfangs alle hier nicht verkaufte Milch zu Meiereierzeugnissen verarbeitete, fing sie später an, Milch an Milchhändler nach Hamburg zu liefern.

Mit der Verbesserung der landwirtschaftlichen Betriebe stieg auch der Rindviehbestand und somit die Milchanlieferung an die Meierei. Die Zahl der Genossen war außerdem von 17 auf 45 gestiegen. Heute ist sie auf über 100 angewachsen.

Um ständig hygienisch einwandfreie Erzeugnisse zu liefern und auch mit Nachbarmeiereien in Wettbewerb treten zu können, wurde ständig darauf hingearbeitet, den Betrieb zu verbessern. Es wurde Wasserleitung angelegt und ein Dieselmotor eingebaut, der noch heute die Mühle treibt.

Für die Meierei als solche reichten die Maßnahmen jedoch nicht aus, um mit der Zeit Schritt halten zu können. Der Grund lag vor allem darin, dass einfach das Gebäude zu klein war. Es bestand die Befürchtung, dass man die Meierei mit der Kaltenkirchener zusammenlegen würde, wenn nichts Entscheidendes unternommen wurde. In oft abgehaltenen Versammlungen einigte man sich dahingehend, dass nur ein Neubau eine endgültige Lösung bringen konnte.  Nach Überwindung vieler Schwierigkeiten, sowohl behördlicher als auch finanzieller, gelang es dann dem Vorstand, die Genehmigung zum Neubau zu bekommen. Am 30.Juni 1939 konnte man das Richtfest feiern. Die gesamten Baukosten beliefen sich auf 110 000 RM. Die Genossenschaft zählte damals 110 Genossen mit 860 Kühen. Es wurde beschlossen, die G.m.a.H. in eine G.m.b.H. umzuwandeln.

Da der Bodenraum des neuen Gebäudes nicht ausgebaut war, wohnte der Meiereiverwalter Holst immer noch in der Wohnung der alten Meierei. Angetrieben wohl durch die allgemeine Wohnraumnot der Flüchtlinge entschloss man sich noch vor der Währungsreform zum Ausbau des Bodens der neuen Meierei. Im Jahre 1948 konnte Holst mit seiner Tochter und seinem Schwiegersohn, sowie dem Personal der Meierei, in die neuen Wohnräume ziehen. In der alten Wohnung fanden drei Flüchtlingsfamilien Aufnahme.

Eine weitere Vervollkommnung erfuhr der Betrieb im Jahre 1949, als eine Käserei zur Herstellung von Tilsiter Käse eingerichtet wurde.

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