Die Altona-Kieler Chaussee

Die Altona-Kieler Chaussee

In den Jahren 1832 – 1834 wurde die Altona-Kieler-Chaussee fertig gestellt. „Kunststraße“ war der deutsche Ausdruck für das französische „Chaussee“. Damit wurde eine ausgebaute, mit fester Fahrbahndecke versehene Landstraße bezeichnet. Lange verwendete man das heute veraltete Wort „Chaussee“ gleichbedeutend mit Landstraße.

Die Chaussee ist von dem dänischen König Friedrich VI erbaut worden. Die noch heute vorhandenen Meilensteine mit den königlichen Insignien und die einst aus Granit gefertigte Brücke über die Dreckau sind dafür die dauerhaften Zeugen. Die Meilensteine wurden auf der Westseite der Straße im Abstand von einer halben Landmeile (rund 3,75 km) voneinander aufgestellt. (Bild li. Meilenstein westlich gelegen zwischen Querweg und Schmalfelder Str.)
Eintrag Wikipedia unter Kulturdenkmal: Vollmeilenstein der Altona-Kieler Chaussee. Entfernungsangabe Südseite: Altona 5 Meilen = ca. 38 km Nordseite: Kiel 7¼ Meilen = ca. 55 km. Auf der Vorderseite erhabenes Königsmonogramm Frederik VI. und Jahreszahl 1832.

chaussee1Die relativ feste Strassendecke – 25 bis 30 cm Steinpackung mit Sandschüttung – erleichterte und beschleunigte den Verkehr nicht nur; sie sorgte auch für eine enorme Steigerung des Verkehrsaufkommens an Personen und Waren.
Als Vorbild für die Bautechnik wurde ein Verfahren ausgesucht, das der schottische Ingenieur John L. Macadam (1756-1836) entwickelt hatte. Seine Vorstellung war, daß der natürliche Untergrund schwere Fuhrwerke tragen müsse, wenn er trocken genug sei. Dazu waren Wassergräben an beiden Seiten des Weges und ein wasserdichter Belag auf der ebenen, leicht gewölbten Fahrbahn notwendig. Eine wasserdichte Decke ließ Macadam aus zerschlagenen Steinen herstellen, die in mehreren Schichten mit unterschiedlicher Körnung auf die vorbereitete Fahrbahn gestreut, gewalzt und geharkt wurden. Nach ihm hieß diese Bauweise auch „Makadamisieren“, die Oberfläche aus Steinschlag „Makadam“.
Jetzt konnten für den Transport für Reisende und Fracht zwischen Kiel und Altona bequemere und sogar gefederte Postwagen eingesetzt werden. Die Wagen brachten auf dieser Strecke auf eine Stundenleistung von bis zu 10 km (35 Meilen pro Stunde). Die Ankunfts- und Abfahrtzeiten konnten genauer eingehalten werden. Nach Eröffnung der ersten „Kunststrasse“ zwischen Kiel und Altona benötigten der von vier Pferden gezogener Omnibus (Diligence) nicht mehr 24 Stunden wie bisher, sondern rund 10 Stunden für die Strecke. Noch vor 1840 zählte man zwischen Altona und Bramstedt jährlich 6816 Fuhren, zwischen Altona und Neumünster 4434 und zwischen Altona und Kiel 18930 Fuhren. Direkt an der Chaussee war ein Chausseegeld-Einnehmerstelle mit der Bezeichnung: 215 Nr.: 4806 stationiert, dessen Posten in öffentlicher Ausschreibung auf jeweils ein oder drei EinnehmerstelleJahre verpachtet wurde. Das Haus steht noch heute an der Kieler Strasse (s. Zeichnung li.). Es war ein Mann, der von seinem Chausseehause aus von dem reisenden das Chausseegeld einkassierte, durchweg je Pferd 1 Schilling. In Abständen von Meile zu Meile waren diese Häuser angelegt, meistens so, dass man von einem Ausbau aus die Straße nach beiden Seiten übersehen konnte. Bis 1884 hat diese Einrichtung bestanden.
Neu war auch, dass für die Benutzer der Chaussee Regeln aufgestellt wurden, eine Straßenverkehrsordnung zum Schutz des Bauwerks. Die alten Wegeverordnungen hatten Verschmutzung, Beschädigung und Sperrung der Landwege unter Strafe gestellt. Auf der Chaussee war nun auch das Fahren selbst reglementiert: Vorschrift war Rechtsverkehr, Überholen nur auf der linken Seite erlaubt. Damit keine Spurrillen in die Steinschlagbahn gedrückt wurden, durfte ein Wagen niemals in die Spur des vor ihm fahrenden Wagens gelenkt werden. Aus demselben Grund standen rechts oder links am Rand der Fahrbahn spezielle Holzgestelle, so genannte Chausseeböcke, die von den Chausseewärtern regelmäßig umgesetzt wurden. Diese Hindernisse zwangen die Fahrzeuge immer wieder in eine andere Spur. Die empfindliche Steinschlagoberfläche wurde so gleichmäßig befahren. Wagen und Reiter mussten auf der Fahrbahn bleiben. Die mit Gras bewachsene Bankette an den Seiten blieb den Fußgängern vorbehalten. Für alle, die lesen konnten, ließ die Chausseebaudirektion Tafeln mit diesen Verkehrsregeln an der Straße aufstellen.
Nach und nach wurden in den folgenden Jahrzehnten die Chaussee mit Steinschlag oder Pflaster ausgebaut.

Da diese Chaussee jetzt den Hauptfuhrverkehr übernahm, gründeten geschäftstüchtige Leute Gasthäuser und Raststätten.

kielerstrasse29Der Hufner Jasper Pohlmann aus Lentföhrden bekam am 18. Juni 1852 die Konzession für eine Krügerei (das Betreiben eines Kruges, insb. der Ausschank alkoholischer Getränke). Er richtete diese in dem jetzt noch stehenden Haus von Ernst Böge ein. Hier kehrten die Fuhrleute und Reisenden an und nahmen ihre Mahlzeiten ein. Auch die Pferde wurden hier gefüttert. Mit dem Bau von neuen Eisenbahnlinien verlor die Chaussee vorübergehend an Bedeutung. Erst die aufkommende Motorisierung des Verkehrs brachte sie wieder zur, Geltung. Besonders nach dem ersten Weltkrieg nahm der Kraftwagenverkehr auf ihr ständig zu. Diesen Strapazen war allerdings die für Pferdefuhrwerke gedachte Beschüttung der Chaussee nicht gewachsen.  Die aus Hartgummi bereiften Lastwagen hatten sie bald in einen Zustand versetzt, der an Fahrer und Maschine ungeheure Ansprüche stellte. Schlaglöcher von jetzt nicht mehr vorstellbarer Größe bildeten den Hauptteil der Straße. Oftmals arteten diese in regelrechte Fahrrinnen aus. Nach der Inflation ging man dann daran, die Chaussee mit Kleinpflaster zu versehen. Unsere Strecke wurde in den Jahren 1925/26 fertig gestellt. Später wird die Pflasterung dann noch verbreitert und die viel zu sehr betonte Rundung der Straße, die zu hoher Rutschgefahr für die Kraftfahrzeuge führte, beseitigt. Nun erst machten, sich die Vorteile der geradlinig angelegten Straße bemerkbar. Der Verkehr war vor dem letzten Kriege derart angestiegen, dass man oft kaum über die Straße kommen konnte. Besonders schlimm war es zum Wochenende.

TiedeLentföhrden besaß eine „ARAL“ – Tankstelle, die Paul Tiede führte. Später kam weiter nördlich hinter der Bahnhofsgaststätte eine „Jet“ – Tankstelle hinzu, die dann aber auch ihre Zapfsäulen schließen musste. Heute verschönern dort gebrauchte Autos zum Verkauf das Dorfbild.

Aus der Reichstrasse wurde die Bundesstrasse 4 (B4) und später auch die Europastrasse 3 (E3). Der Verkehr nach Skandinavien konnte von der B4 nicht mehr bewältigt werden und so entstand 1963 die Bundesautobahn (A7), die Lentföhrdener Gebiet im Osten streift. Seit dem 1. Januar 2007 gilt auf der Strecke zwischen Hamburg-Eidelstedt und dem Ende der B 4 in Bad Bramstedt für LKW´s die Mautpflicht.

Damit war eine schnelle Anbindung an Hamburg und Kiel gewährleistet und der innerörtliche Verkehr erheblich entlastet. Lentföhrden wurde für „Pendler“ aus Hamburg ein idealer Wohnort. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommen ist die B4 heutzutage wieder ein großes Hindernis für Fußgänger. Eine Querungshilfe (Insel) wurde in der Nähe „Am Bahnhof“ installiert. 1999 wurde ein Blitzgerät „Starenkasten“ aufgebaut, um die Raser auszubremsen.
Um der Post und den Rettungsdiensten ihre Arbeit zu erleichtern wurden alle Gebäude in der Kieler Strasse im Jahr 2001 neu durchnumeriert.


Die Meilensteine

meilensteinDie Seite mit der Krone, den Initialen des dänischen Königs und dem Jahr der Fertigstellung zeigt zur Strasse. An den Seiten stehen die Entfernungen nach Altona und Kiel.
An jeder vollen Meile (von Altona aus gerechnet) stand ein großer Meilenstein. Dazwischen, jeweils nach einer halben Meile stand ein kleiner Meilenstein, der nur die Krone, das Jahr und die Inschrift „1/2 Meile“ enthält.
Alle Meilensteine, die ich bisher gefunden habe stehen auf der westlichen Straßenseite und haben als Jahr 1832.
Einige der alten Meilensteine sind inzwischen verschwunden.


Chaussee- und Brückengeld

aus HANS HINRICH HARBECK CHRONIK VON BRAMSTEDT

Den Gedanken, die Zinsen für das Anlagekapital und die Kosten für die Instandhaltung wichtiger Verkehrsmittel ganz oder doch teilweise zu decken durch Erhebung einer Nutzungsgebühr, hat man ehemals als etwas Selbstverständliches auch in unserem Kirchspiel betätigt. Drei Beispiele dieser Art sind nachzuweisen, und sie sollen nicht verschwiegen werden.
Die Höhe der Gebühren wurde durch die Obrigkeit bestimmt. Die alte Fleckenslade birgt ein königl. Patent vom 19. Januar 1844, das für die Altona-Kieler Chaussee folgenden Gebühren-Schragen nachweist.
1. Fuhrwerke für Reisende, auch für Schlitten gültig:
wenn einspännig, für jede Meile …………………………………… … 1 Schilling Kurant
wenn zweispännig ……………………………………………………… … 3 Schilling Kurant
wenn dreispännig ……………………………………………………….. …4 Schilling Kurant
wenn vierspännig ……………………………………………………….. …5 Schilling Kurant
für jedes weitere Zugtier mehr …………………………………………..1 Schilling Kurant
2. Landfuhrwerke:
für jedes Zugtier………………………………………………………….. 1 Schilling Kurant
3. Lastfuhrwerke:
wenn unbeladen wie unter 2.
wenn mit mehr als 2 Zentner beladen wie unter 1.
4. Ein Reiter………………………………………………………………. 1 Schilling Kurant
5. Ein Pferd oder Maultier…………………………………………….. 1 Schilling Kurant
6. Ein Rindvieh oder Esel …………………………………………… ¼ Schilling Kurant
7. Füllen, Kälber, Schweine, Ziegen und Lämmer in Gruppen
von 3-5 Stück …………………………………………………………….. ¼ Schilling Kurant
Für die Gruppen von 1-3 wurde das Doppelte bezahlt, wenn in den Felgen hervorstehende
Nägel waren, aber ausgenommen, wenn Glatteis die Veranlassung war.

1) Dies Wort ist hergeleitet von dem Erfinder der hier zur Frage stehenden Chaussierung der Wege; sein Name Mac Adam ist die Wurzel. Im Abstand von je einer Meile, in unserm Falle in der Fuhlendorfer Feldmark, hatte die Chausseeverwaltung eine »Baumkate« errichtet, wo die Gebühr zu zahlen war »Baumkate« genannt, weil dort der Schlagbaum seinen Platz hatte, der je nach Bedarf den Verkehr sperrte oder freigab. Der Posten des Einnehmers scheint regelmäßig
einem Pächter übergeben worden zu sein, von dem ja auch zu erwarten war, daß er mindestens ebenso aufmerksam wie ein entlohnter Beamter die Zahlpflichtigen im Auge halten würde. Für 1855 wird gemeldet: »Die Hebestelle Nr. 7 zu Fuhlendorf ist auf 5 Jahre an Kreutz aus Bramstedt verpachtet worden. Soll vereidigt werden!« Aus 1861: »Die Chausseegeld-Hebung zu Brokenlande ist für die Zeit vom 1.April d. J. bis dahin 1866 an Bosselmann aus Bramstedt verpachtet worden; soll noch vereidigt werden.« – Der Oberwegebeamte bemerkt dazu, daß der in Lentföhrden tätige Wärter Maak bisher nur durch Handschlag verpflichtet, also auch noch zu vereidigen sei. Die gleiche Quelle berichtet von zwei weiteren Hebestellen, deren Tarif, ebenfalls amtlich festgesetzt, aus 1842 stammt. In Hitzhusen gab es ebenfalls eine Baumkate, wo für jedes passierende Pferd oder Rindvieh ½ Schilling zu opfern war, ferner in Föhrden-Barl, wo der halbe Schilling lediglich für das Pferd zu zahlen war.
Im übrigen waren die Bewohner von Gut Bramstedt, Hitzhusen und Barl von dieser Abgabe frei. In beiden Fällen wird es sich um das Brückengeld gehandelt haben; denn zu erwähnter Zeit war in berührten Orten keineswegs eine Chaussee vorhanden. In F.-B. ist eine uralte Fähre gewesen; die Bewohner der an der Furt gelegenen Hufenstelle haben sie bedient, und durch lange Zeit hat eine Familie Harbeck diesen Dienst geleistet.

Link:  Die Altona-Kieler ChausseeQuelle:   Erwin Voß, Monika Froriep „Vom Postwage zur Eisenbahn“,
Fritz Klauke „Das Postwesen in Bramstedt vor 1867“
               175 Jahre Kiel-Altona Chaussee               Wikipedia

Altona Kiel Wo
1 m 11 1/4 m Hamburg-Eidelstedt (vor Holsteiner Chaussee 45)
1 1/2 m 10 3/4 m nicht auffindbar
2 m 10 1/4 m Bönningstedt (kurz hinter nördlichem Ortsausgang)
2 1/2 m 9 3/4 m ca. 1 km vor dem südlichen Ortseingang von Quickborn
3 m 9 1/4 m nördlich von Quickborn
3 1/2 m 8 3/4 m 250m hinter dem nördlichen Ortsausgang von Bilsen
4 m 8 1/4 m Kurz vor Abzweigung Heidmoor
4 1/2 m 7 3/4 m am nördlichen Ende des Forstes Springhirsch
5 m 7 1/4 m in Lentföhrden
5 1/2 m 6 3/4 m am südlichen Ortseingang von Bad Bramstedt
6 m 6 1/4 m an der L319 bei Fuhlendorf
6 1/2 m 5 3/4 m an der L319 nördlich von Wiemersdorf
10 m 2 1/4 m an der L318 bei Schmalstede (ca. 50 m südlich des Landkruges)
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