Carl Höker

von M.Christine Meyer-Schwarzlose, geb. Schroedter.

M.Christine Meyer-Schwarzlose, geb. Schroedter

Mein Großvater Carl Ludwig Schroedter kam 1861 aus Eiderstede nach Lentföhrden. Er war Zimmermann, aber da die Bauherren so schlecht zahlten, wollte er lieber Bauer, wie seine Vorfahren sein. Leider hatte er aber nicht
bedacht, daß Hektar nicht gleich Hektar ist. Das Land in seiner Heimat Wattenbek war nämlich sehr gut, aber in Lentföhrden war der Boden nicht so ertragreich, d.h. er war „mager“. Um seine große Familie zu ernähren kaufte er im Dorf Waren wie z.B. Eier, Butter, Schinken, Wurst und Geflügel, also alles, was die Bauern hatten. Außerdem aber auch noch Heidehonig, den es damals noch in großen Mengen gab und selbstverständlich auch noch Kartoffeln. Etwas gab es damals auch noch, nämlich Torf, heute kaum vorstellbar, als Handelsware. Aus Hamburg, wohin er diese Waren transportierte, auf einem einfachen Wagen, der von einem Pferd gezogen wurde, brachte er dann auf dem Rückweg Krämerwaren mit. In Lentföhrden „verhökerte“ also verkaufte er diese Waren dann; somit war er ein „Höker“.
Mein Vater war 15 Jahre alt, als sein Vater starb. Er mußte jetzt seine Mutter und die Geschwister ernähren. Dies tat er als Bauer und Höker.
Als mein Vater dann heiratete, gab er die Hökerei auf, zumal meine Mutter von ganzem Herzen Bäuerin war und für die „Hökerei“ nichts übrig hatte. Beides, Bauer und Hökerei war einfach zu viel Arbeit.
Den Beinamen „Carl Höker“ behielt mein Vater aber sein ganzes Leben, vor allem bei den älteren Einwohnern von Lentföhrden.

Dieser Beitrag wurde unter Personen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar