As de Tommies keemen

von Hans J. Leibrandt

An einem der letzten Tage im Monat April 1945 erreichte ein Konvoi aus drei PKW und einem Bus mit Beamten und Angestellten des Reichswirtschaftsministeriums die Grenze zwischen Mecklenburg und Schleswig-Holstein. Obwohl es tiefe Nacht war, waren die Straßen gut ausgeleuchtet, denn anglo-amerikanische Tieflieger hatten auch an diesem Tag wieder Jagd auf alles, was sich da am Boden bewegte, gemacht. Wehrmachtsautos, Autos von Zivilpersonen, Flüchtlingswagen, Bauerngespanne, aber auch Häuser und Scheunen waren zusammengeschossen worden und brannten noch Stunden später lichterloh.

Der Konvoi verhielt kurz in einem Wald, um zu beraten, wohin er sich in dein letzten Teil Deutschland, das noch nicht von ausländischen Truppen besetzt war, wenden sollte. Höheren Orts war ihm Lübeck als neuer Verwaltungsmittelpunkt bestimmt worden, doch schon auf dem Weg dorthin war durchgesickert, dass dies wegen Mangel an noch intakten Gebäuden aussichtslos sei. Man kam überein, dass sich je ein PKW nach Hamburg bzw. Kiel begeben sollte, um vor Ort zu erkunden, ob und wo ein Unterkommen möglich sei. Kiel lehnte sofort ab, Hamburg, das sich auf obersten Befehl gerade versuchte in eine Festung umzuwandeln, liebäugelte zwar mit dem wehrfähigen Menschenmaterial, erkannte aber schnell, dass man bei dem Durchschnittsalter nicht viel für eine erfolgversprechende Verteidigung gewinnen würde. Man empfahl, es doch in Itzehoe zu versuchen.

So machte sich der Konvoi in der nächsten Nacht über Ratzeburg und Bad Oldesloe auf den Weg zur Stadt an der Stör. Letztes gemeinsames Quartier war die Scheune eines Bauern in Sievershütten. Man teilte sich diese Scheune gern mit einem Trupp Soldaten der Luftwaffe, der bestens verproviantisiert war und auf Fahrrädern und mit Panzerfäusten ausgestattet, den Endsieg erringen sollte.

Da die Erwachsenen und die Soldaten in dieser Nacht große Teile des Alkohols und wir Kinder Cola-Schokolade vor der zu erwartenden Requirierung „vernichtet“ hatten, setzte der Konvoi „beflügelt“ seine Fahrt erstmals am Tage fort. Schon wenige Kilometer hinter Sievershütten hatten uns dann auch bald zwei Tiefflieger erspäht und begannen mit dem Beschuss. Ein nahes Wäldchen war die Rettung, doch mehrere Einschüsse zeugten von der steten Gefahr einer Tagfahrt. Dennoch wurde die Fahrt wieder aufgenommen und der Konvoi erreichte bei Lentföhrden die Reichsstraße 4. Hier hielt unser PKW kurz bei der Bäuerin M.W., bestellte Grüße von den Verwandten aus Sievershütten und bat um ein bisschen Milch für meine gerade sechs Monate alte kleine Schwester Sabine.

Ihr Gesundheitszustand war erschreckend und veranlasste die Bäuerin, uns bei der augenblicklichen Lage davon abzuraten, noch nach Itzehoe weiter zu fahren, das unmittelbar bevorstehende Ende des Dritten Reiches bei ihr abzuwarten und uns ihr letztes Zimmer anzubieten. Dieses sehr großzügige Angebot konnte aber mein Vater nicht annehmen, denn er stand in der Pflicht, den Konvoi an sein Endziel zu bringen. So gelangten wir über Bad Bramstedt nach Itzehoe.

Diese Stadt hatte offensichtlich mit unserer Ankunft gerechnet und bereitete uns einen lautstarken Empfang: Alle Sirenen schrillten. Auch die anglo-amerikanischen Luftstreitkräfte wollten da nicht zurückstehen und zeigten uns, über welch reichliche Bestände an Feuerwerk sie auch noch im fünften Kriegsjahr verfügten. Als wir unsere Autos verlassen mussten, gab es nun aber weit und breit keine Luftschutzbunker, wohl aber Splittergräben, in die wir uns warfen. Als dieses grauenvolle Spektakel endlich vorüber war, auch alle im Konvoi Mitfahrenden unbeschädigt geblieben waren, gab es aber das alte Itzehoe nicht mehr und damit auch keine Unterkünfte für die Angehörigen des Reichswirtschaftsministeriums. Der Konvoi löste sich auf, der Bus blieb in oder bei Itzehoe, die drei PKW fuhren zurück nach Lentföhrden, wo es neben der netten Bäuerin M.W. sicherlich auch noch andere nette Menschen gab.

Bauernhof Magarethe Wulf

Wir, die Familie Leibrandt, Vater, Mutter, zwei Söhne und zwei Töchter, standen wieder vor der großen Tür zur Tenne der Bäuerin M.W.. Sie hielt ihr Wort und wies uns das versprochene Zimmer an. Sie besaß jetzt selbst nur noch ein Schlaf- und ein Wohnzimmer, das sie sich mit einer älteren Tante teilte. Ein anderes Zimmer war an Ausgebombte aus Kiel vermietet und die kleine Wohnung im ersten Stock hatten bereits Flüchtlinge aus Ostpreußen erhalten. Auf dem Bauernhof selbst dienten noch zwei Knechte, junge ehemalige Soldaten, die erst vor wenigen Stunden den Uniformrock mit dem Bauernkittel vertauscht hatten. Auch zwei polnische Zwangsarbeiterinnen waren zugegen.

Und dann kam auch schon der Tag, an dem die Engländer in Lentföhrden einrücken sollten. An jenem Morgen hatte mein Vater noch all seine Überredungskunst und seine Kenntnisse als Soldat des Ersten Weltkrieges aufwenden müssen, um einem versprengten Trupp Soldaten auszureden, eine letzte Widerstandsbastion ausgerechnet vor dem Bauernhof von M.W. zu errichten. Sie hatten schon Gräben ausgehoben und Panzerfäuste bereitgelegt als es meinem Vater endlich gelang, den jungen Offizier davon zu überzeugen, dass eine Widerstandslinie aus seiner Sicht größeren Erfolg verspreche, wenn diese sich hinter einem soeben friedlich passierten Dorf befände. So schnallten sie ihre Panzerfäuste und Spaten auf die Fahrräder und zogen ab.

Schon wenige später waren die „Tommies“ in Lentföhrden. Zunächst war das Geräusch von sich nähernden Panzern nicht mehr zu überhören; vorsichtig sichernd schoben sich die Stahlungetüme über die Reichsstraße nach Lentföhrden hinein. Es folgte ein ewig langer Tross. Große Teile dieses Trosses winkte ein Militärpolizist auf der Höhe des

Ein Tommie mit Lentföhrdener Kindern am Bahnhof

Bahnhofs Lentföhrden nach rechts in Richtung Bahnhofs-gaststätte heraus. Wie sich später herausstellte, sollte diese Gaststätte als Casino für ein von den Engländern noch zu errichtendes Wellblechbarackenlager auf dem Bahnhofsgelände dienen. Eines der Militärfahrzeuge hatte den Militärpolizisten, der mit einem von uns Kindern noch nie gesehenen schwarz-weiß gestreiften Schlagstock, einem Dirigenten ähnlich, den Verkehr regelte, übersehen oder aber zu spät erkannt und mit der Kühlerhaube durch die Luft gewirbelt. Es sollte der einzige Verwundete bei der siegreichen Eroberung Lentföhrdens durch die Engländer bleiben! Einige von uns Dorfkindern hatten diesen Luftflug gar beklatscht und wurden sofort von der nun herrschenden Obrigkeit gemaßregelt. Es sollten noch viele Maßregelungen folgen!

Die Freude über das Ende des Krieges hielt sich nicht nur in Lentföhrden in Maßen. Die Deutschen waren es in der Vergangenheit gewohnt gewesen, Befehlen zu folgen und so waren sie sich einig, würde es auch in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft weitergehen. Sie sollten sich nicht getäuscht haben. Zwar hatten die Farbe der Montur und die Nationalität der Befehlenden gewechselt, doch die „Befehle“ an das Volk waren geblieben, gar noch schlimmer geworden. Ihnen war bis auf das berühmte „Komma“ nachzukommen. Besonders enttäuscht sahen sich diejenigen, die auf eine Befreiung und an den sofortigen Übergang in eine Demokratie gehofft hatten. Hier wurden von den Besatzungsmächten viele Vorschusslorbeeren leichtsinnig verspielt! Bejubelt wurde die Befreiung allein von den polnischen Zwangsarbeitern, die nun plündernd durch das Dorf zogen und alles, was nicht niet- und nagelfest war, an sich rissen bzw. mit vorgehaltener Pistole requirierten. Dies alles geschah nach reichlichem Alkoholgenuss und war selbst durch besonnene Polen nicht in geordnete Bahnen zu lenken.

Da mein Vater die begehrlichen Blicke „unserer“ Polinnen auf unseren Adler Trumpf Junior bemerkt hatte, hatte er am Morgen noch versucht, diesen dadurch zu retten, dass er ihn in der Nähe von Weddelbrook in einem Tannendickicht versteckte. Doch wenige Tage später war er aus seinem Versteck für immer verschwunden. Schuld waren daran aber nicht die Polen.

Die britische Besatzungsmacht berief den ehemaligen Postmeister Theege zum neuen Bürgermeister. Ein wahrlich nicht leichtes Amt!  Zu bestimmen hatte er nichts und bei der Ausführung der erhaltenen Befehle machte er sich weder bei den Deutschen noch bei der Besatzungsmacht Freunde. Zunächst einmal war alles abzuliefern: Waffen sämtlicher Art, Ferngläser, Radios etc.. Sofern noch Ablieferungen erfolgen konnten, wurden diese Gegenstände ausschließlich den Polen zur Verfügung gestellt, die diese Gegenstände, sofern es sich nicht um Waffen handelte, sofort versilberten, mit dem reichlich von der Besatzungsmacht ausgegebenen Spirituosen aller Art täglich Orgien feierten und sich als die eigentlichen Sieger aufführten. Doch es gab auch andere Polen! Sie wollten ihren eigenen polnischen Staat aufbauen und sich nicht unter die Knute der Russen beugen. Sie kamen oft mit meinen Eltern zusammen und berieten, ob den Versprechungen der Russen zu trauen sei, in deutsche Gefangenschaft geratene Polen und solche, die gar bei den Alliierten gedient hatten, genauso zu behandeln, wie die Polen und solche, die zusammen mit den Sowjets ins befreite Polen einmarschiert waren. Die Polen, die den russischen Versprechungen glaubten, traten ihre Heimreise leider allzu oft sofort in russische Zwangsarbeitslager an.

Doch noch einmal zurück zu Bürgermeister Theege. Meine erste Begegnung mit ihm ist mir in starker Erinnerung geblieben. Wenn man sein Büro betrat, sagte man jetzt „Guten Morgen“ oder „Guten Tag“ oder auf plattdeutsch „Moin“, nicht jedoch wie ich aus alter Gewohnheit „Heil Hitler“. So erhielt ich bei meinem ersten Besuch beim Bürgermeister von diesem eine Sonderunterrichtung und die Ermahnung mich künftig demokratischer zu verhalten. Auch einen Wandspruch: „Komm rin und Snack Di ut, Go rut und hol Din Snut!“. Den Sinn dieses Spruchs habe ich natürlich erst viel später verstanden.

Der Mai 1945 hatte viele schöne Tage und so konnten wir der furchtbaren Enge unseres Zimmers immer wieder entfliehen. Wir besaßen nur ein Bett, das sich meine Mutter mit der oft kränklichen Sabine teilte. Wir anderen schliefen auf dem Fußboden, dort, wo gerade Platz war. Zu uns gestoßen war eine junge hübsche Belgierin, die um in Deutschland bleiben zu können, als unser neues Kindermädchen „geführt“ werden musste. Sie war die Tochter des belgischen Generals Leon Degrelle, der in Hitlers Armee gedient hatte und die Verlobte eines hochrangigen deutschen SS-Offiziers. Von beiden war sie ohne Nachricht. Wer in jenen Tagen Angehörige suchte, musste entweder mit dem Deutschen Roten Kreuz oder besonderen Vermisstensuchstellen Kontakt aufnehmen. Dazu aber musste man nach Hamburg und Bahn und Busse standen zu dieser Zeit noch nicht zur Verfügung. Doch mit einem der ersten Züge begab sich mein Vater nach Hamburg, um u.a. die Suche für unser Kindermädchen zu übernehmen.

Er benutzte die AKN, die private Altona-Kaltenkirchen-Neumünster-Eisenbahn Gesellschaft. Seine Bemühungen blieben zunächst erfolglos, was er aber sonst von der Großstadt zu berichten wusste, beeindruckte uns Daheimgebliebene zutiefst. Dort gab es einen sog. Schwarzmarkt, auf dem es alles zu kaufen gab, was das Herz begehrte. Vieles aber gab es auch nur im Tauschverkehr. Ich machte mir großartige Vorstellungen von diesem Markt und war sehr enttäuscht, als ich schon Wochen später diesen selbst zu Gesicht bekam und dabei auch noch feststellen musste, wie gefährlich der Besuch dieses Marktes sein konnte. Die Polizei war nämlich gehalten, Schwarzhändler und ihre Kunden, wenn sie sie bekam, zu verhaften und einzusperren. Deshalb kamen Geschäfte nur im Flüstern und im Aneinandervorbeilaufen in Betracht. Dabei kreisten die Augen wie bei einem Chamäleon, um die Polizisten ja nur rechtzeitig zu entdecken. Bei diesem Aufenthalt in Hamburg kamen mein Vater und ich auch an einem Haus vorbei, dass die britische Besatzungsmacht zu Verwaltungszwecken beschlagnahmt hatte. Offensichtlich durfte in diesem Haus nicht geraucht werden, denn viele Uniformierte standen davor und inhalierten. Um sie herum viele Zivilisten, die nur auf den Augenblick warteten, in dem sich der Soldat der Kippe entledigte. Wenn dies geschah, stürzten sich sofort mehrere auf diese Kippe und versuchten sie zu erhaschen. Man sammelte den Rest Tabak, um ihn entweder selbst zu verkonsumieren oder ihn zu verkaufen. Der offizielle Verkauf von Tabakwaren, auch spezielle Tabakmarken, war zu dieser Zeit noch ausgesetzt. Auch ich versuchte, solch eine Kippe, am besten aber mehrere für meinen Vater, der leidenschaftlicher Raucher war zu erhaschen. Einerseits stellte ich mich viel zu dumm dabei an, andererseits konnte ich mich gegen die Brachialgewalt der Männer nicht durchsetzen. Mir war zum Heulen zu Mute. Ganz offensichtlich hatte einer der Soldaten meine missliche Lage erkannt, kam zu mir und steckte mir ein angebrochenes Päckchen Zigaretten zu und passte auf, dass sie Männer mir dieses nicht nahmen. Mit stolzer Brust übergab ich wenig später die Zigaretten meinem Vater.

Da der Volksschulbetrieb in Schleswig-Holstein im Frühjahr 1945 auf unbestimmte Zeit ruhte, hatte ich viel Zeit zum Spielen und zum Erkunden der neuen näheren und weiteren Nachbarschaft. Aber auch M.W. hatte schnell heraus, wie sie mich aktiv in ihrem Bauernbetrieb einsetzen konnte. Da „durfte“ ich das Melkpferd von der Koppel holen, es in den einspännigen Melkwagen einspannen, die sauberen Milchkannen und das übrige Melkgeschirr aufladen und Frau H., die Ostpreußin zur Melkweide kutschieren. Hier galt es für uns beide, M.W’s. Kühen morgens und abends die Milchlast abzunehmen. Auf dem Heimweg brachten wir die Milch dann noch schnell bei der Meierei vorbei. Gern „spannte“ mich M.W. auch ein, wenn es galt die Kuhherde auf eine noch nicht abgegraste Weide zu verbringen. Da M.W ’s. Grundeigentum um ganz Lentföhrden verstreut lag, war dies oft eine sehr anstrengende Arbeit. Musste eine Kuh zum Bullen, dann führte M.W. diese an einem Halsstrick und ich durfte hinter der Kuh mit einer Rute herlaufen, um sie auf den notwendigen Trab zu halten. Dabei sang die fromme Bäuerin die schönsten Kirchenlieder. Einige kannte ich bereits aus dem Kindergottesdienst, andere hörte ich das erste Mal von ihr. Waren wir dann beim Bullen angekommen, erfand sie jedes Mal eine Ausrede, warum ich dem Liebesakt nicht zuschauen durfte. Auch bei der Heuernte war meine Mithilfe erwünscht. Wenn meine noch nicht allzu langen Arme zum Hochreichen des Heus mittels einer Forke auf den Wagen nicht mehr ausreichten, musste ich auf diesen klettern und das mir Dargereichte sorgsam verstauen, damit es später nicht herunterfiele. Viel Zeit zum richtigen Platzieren hatte ich nie, denn immer war schon die nächste volle Forke da und musste abgenommen werden. Wollte man keine Schimpfworte hören, musste man seine Rückenschmerzen überwinden. Das Schönste aber waren immer die Pausen bis der leere Wagen zurück kam. Da lag man am Knick, bekam eine Klappstulle, dick belegt und einen Becher Malzkaffee mit reichlich Kuhmilch drin. Das waren dann auch die Minuten, in denen die Knechte aus ihrem Leben erzählten und denen man viele Fragen stellen konnte.

Als ich am Abend vor dem Muttertag 1945 meine Melkarbeit erledigt hatte, wollte ich noch schnell für meine Mutter ein paar Maiglöckchen pflücken, die am Knick zwischen unserer Melkweide und einem benachbarten Grundstück wuchsen. Dazu musste ich einen Stachelzaun überwinden und schon war es passiert. Eine Krampe hielt es nicht länger im Holzpfahl und der Stacheldraht riss mir eine tiefe Wunde vom linken Oberschenkel bis fast zum Knie hinunter, wo das herausgerissene Fleisch nun baumelte. Die Wunde blutete zwar nicht allzu stark, doch üblich in derartigen Situationen hatten wir nichts an Verbandsmaterial außer einem Kavalierstuch, das in die Jacke von Frau H. eingenäht war, dass sie nun schnell heraustrennte und mir befahl, damit das baumelnde Fleisch wieder in die Wunde zurückzudrücken. In Notzeiten darf eben nichts verlorengehen! Erst am kommenden Freitag stand mir in Lentföhrden ein Arzt zur Verfügung, der, als er den Verband entfernt und durch einen medizinisch korrekten ersetzt hatte, mich auch noch die Hose ausziehen ließ, um mir eine Tetanusspritze zu verpassen. Von nun an hatte ich ein „besonderes Kennzeichen“ für meine späteren Pässe und ein lebenslanges Andenken an die mittelholsteinische Landschaft. Die Maitage des Jahres 1945 gingen wie vieles zu schnell vorüber. Einerseits war das bei der Enge des Zimmers bei M.W. auch gut so, andererseits waren diese Tage auch die ersten wieder ohne Flugzeuge, die ihre Bombenlast loswerden oder die im Tiefflug Jagd auf Menschen machen mussten. Es waren Tage im Freien und nicht im Luftschutzbunker! Ich erinnere mich an den Duft der Maiglöckchen oder an den des Jelängerjelieber, an den Geruch der Kühe, wenn ich auf dem Melkschemel saß oder an den Duft des frischen Heus, das ich mithalf, in die Scheune zu bringen. Aus der Erinnerung heraus, waren es trotz allem schöne Tage!

Aus dem Buch von Otto Wittorf „As de Tommies keemen“

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