Lentföhrden 1929 – 1945

Lentföhrden 1929 – 1945                                                                                       (Auszüge)

1929

1929 wurde auf Antrag der Behörden dem Landrat Graf von Rantzau von den örtlichen Landjägereien ein verfassungsfeindliches und staatsgefährdendes Treiben gemeldet von einigen Organisationen gemeldet. Der „Stahlhelm“ hatte zu dieser Zeit in Lentföhrden schon 43 Mitglieder. Ihr Führer war Landmann Heinrich Pohlmann.

………Das sich in Lentföhrden schon „braunes Gedankengut“ vor Hitlers Machtergreifung breit gemacht hat, sieht man an den Wahlergebnissen in der Weimarer Zeit  zur Reichtagswahl vom 14.9.1930:
NSDAP 115 (60,2 %), SPD 30 (15,7 %), DNVP 18 (9,4%), KPD 6 (3,1%, DBP 16 (8,4%), StP 2(1,0 %), WirtschP 4 (2,1 %). Im Vergleich zum Gesamtergebnis im Deutschen Reich erlangte die NSDAP nur 18,8 %.

Auf einem Werbeabend in Lentföhrden mit übervollem Haus warb die Führerin Frl. Köhn für die Ziele des Bundes für deutsche Mädchen (BDM). Die ersten Gruppen der NS-Frauenschaft entstanden in Schmalfeld und in Lentföhrden in der ersten Hälfte des Jahres 1932.

1930

1930 wurden in der Region die ersten NSDAP Ortsgruppen gegründet. 1932 wurden in Lentföhrden 70 Mitglieder ermittelt. Ihr Führer war Landwirt Gustav Pohlmann. Auch die SA formierte sich im Dorf. In der Einheit SA 29 Bad-Bramstedt waren 10 Aktive aus Lentföhrden.

1932

Nach der Reichstagswahl im Juli 1932 wurde das Uniformverbot für die Parteien aufgehoben. Am 8. August 1932 meldete Oberlandjäger Hansen vom Landjägerposten (Polizeiposten) Lentföhrden, dass die SA in Weddelbrook Nachtposten im Dorfe aufgestellte. Wilhelm Ott aus Weddelbrook begründete dieses mit „sportlichem Interesse“. Er gab weiter an: „Die Posten hätten keine besonderen Aufgaben wie z.B. Personen oder Fahrzeuge anzuhalten oder anders.“ Diese Angaben scheinen mehr wie fragwürdig, wen man an die militanten Übergriffe der SA in anderen Orten denkt.

Bei der Reichstagswahl am 6.11.1932 stieg das Übergewicht der Rechtsparteien in Lentföhrden sogar auf 2/3 Prozent aller Parteien:
NDSAP 59,6 %, SPD 2,4%, DNVP 23,1 %, KPD 7,5 %, DBP 1,5 %, Stp 0,7 %, ChrSoz. 5,1 %.

1933

1933 ist der Vorstand des Bauervereins Kreis Segeberg zurückgetreten. Der Aufbau einer NS-Standesorganisation „Kreisbauernschaft Segeberg“ wurde vorangetrieben. Der Kreisbauernführer bestimmte Wilhelm Schröder zum Ortsbauernführer.

Bei den Reichstagswahlen am 5.3.1933 erhielten die Rechten dann in Lentföhrden die absolute Mehrheit:
NS 66,9 %, SPD 2,2 %, KPD 1,9 %, Kampffront Schwarz-Weiß-Rot 29,1 %.

[2] „Am 7. März wurde hier bei der Schule das Banner der nationalen Erhebung, das Hakenkreuz, gehißt. Der 8. März war aus Freude darüber, daß die nationale Regierung das Reichsteuer jetzt in der Hand hatte, schulfrei. Und das Schulhaus prangte im Schmuck der schwarzweißroten Flagge und des Hakenkreuzes.
…Ein ganz großer Tag war der 21. März, der Tag der Reichtagseröffnung in der Garnisonskirche in Potsdam… ..Am Abend sah unser Dorf ein Ereignis in seinen Straßen, das bisher unseren Dorfeinwohnern fremd war. Ein Fackelzug, an dem auch unsere Schuljugend mit ihren Lehrern teilnahmen, bewegte sich mit Musik und frohen Kampfliedern durch unser Dorf. Nach dreifachem „Sieg Heil“ auf den Führer unserer nationalen Regierung löste sich der Zug beim Bahnhof auf. Dieser große Tag, den alle Deutschen nie vergessen möchten, endete dann mit dem Abbrennen eines großen Feuers auf einer Anhöhe beim Dorfe.“

Bei der Reichstagswahl und Volksabstimmung am 12.11.1933 war nur noch die NSDAP auf der Liste. Für sie haben 94 % mit „JA“ gestimmt. Es gab in Lentföhrden 363 Wahlberechtigte. Bei dem Volksentscheid, indem es um den Austritt aus dem Völkerbund ging, entschieden sich 97 % dafür und 12 Wähler dagegen.

1934

Am 19.8.34 ging es in einer Volksabstimmung darum, das Amt des Reichspräsidenten und des Reichskanzler zu vereinigen und somit Hitler die alleinige Macht zu übertragen.
Durch die anhaltenden Arbeitslosigkeit hatte die NSDAP wohl an Vertrauen verspielt und somit stimmten nur noch 87,4 % der Volksbefragung zu (–10.6% zur letzten Wahl).

Im Vorfeld der Errichtung des Flugstützpunkt Kaltenkirchen wurden flugtechnische Demonstrationen veranstaltet. Das erste derartige Ereignis war der Flugtag in Lentföhrden im März 1934. Auf einer großen Viehwiese an der Reichsstraße 4 landeten und starteten kleine Maschinen der Hamburger Luftverkehrsgesellschaft. Das Publikum war zum Mitflug eingeladen: je 5 Personen für eine halbe Stunde für 5 RM pro Person. Zu dieser einmaligen Sensation war eine „gewaltige Menschenmenge“ zusammengekommen. Auch die Kaltenkirchener SA-Reserve war dort angerückt.

1935

Im Juni 1935 vollzog sich in der Umgebung „ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung nationaler Lebensart“. Die Geburtsjahrgänge 1914  und 1915 aus den Gemeinden Kampen, Hüttbleck, Kaltenkirchen, Kattendorf, Lentföhrden, Nützen, Oersdorf, Schmalfeld und Winsen wurden am 26.6. zur Musterung in der Kaltenkirchener Schule aufgerufen.

Am 15.10.35 wurden die „Nürnberger Gesetze“ beschlossen. Damit wurden den jüdischen Mitbürgern wichtige Rechte geraubt. Es hieß auch „das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“. Im Haus zur Waldburg wohnte eine  Familie Staack. Frau Staack war jüdischer Herkunft. Der Mann wurde gedrängt, sich von seiner Frau scheiden zu lassen. Mehrmals saß er in Gestapohaft und wurde dort geschlagen. Während des Krieges drohte der Ehefrau mehrmals die Deportation. Es gelang nur mit Mühe, sie davor zu bewahren.

Zum Bau des Militärflugplatzes Kaltenkirchen zwischen Moorkaten und Springhirsch leisteten auch Lentföhrdener Bauern über die Jahre Spanndienste gegen Bezahlung.

Ebenso wurden zum Bau Kriegsgefangene eingesetzt, die in den dortigen Konzentrationslagern untergebracht wurden. Manche von ihnen wurden in kleinen Gruppen den umliegenden Bauern zur Verfügung gestellt. Da die Gefangenen sehr ausgezerrt waren wurde in aller Regel auch nur geringe Arbeitsleistungen erwartet und man gab ihnen einfache aber reichlich Kost.

Die meisten Bauernfamilien begegneten diesen Gefangenen, besonders denen asiatischer Herkunft, mit Gefühlen aus Furcht und Geringschätzung, Hass und kreatürlichem Mitleid. Ausnahmen, wie der Bauer S. aus Lentföhrden, der seine Russen mit dem dicken Peitschenstiel schlug, wenn sie nicht mehr konnten, waren selten.

1940

[2] „Um den Mangel an Arbeitskräften etwas zu heben, kamen hier am 17.8.30 Kriegsgefangene (Franzosen). Sie wohnten gemeinsam in einem am Bahnhof errichteten Lager und wurden tagsüber bei den einzelnen Bauern zur Arbeit eingesetzt.
Während des Sommers wurde westlich des Dorfes auf dem „Krüzbarg“ eine Flakstellung erbaut. Wenn sie auch einigemal mit Scheinwerfern und Geschützen besetzt wurde, so fand eine Tätigkeit der Geschütze nicht statt, was von den Dorfinsassen nur begrüßt wurde. Die englischen Flieger ließen sich oft auf ihren Fernflügen über Lentföhrden hören, beleuchteten das Dorf auch mit ihren Leuchtbomben, und ganz in der Nähe haben sie auch Spreng – und Brandbomben abgeworfen.

1941

In den Gefangenenlager in Moorkaten gab es im Spätherbst 1941 das erste große Massensterben. So entstanden mehrer große Massengräber. Ein Lentföhrdener Bauer, Zeuge O. versicherte nachdrücklich, dass er mit seinem Pferdegespann Leichen an den Wald auf der westlichen Seite der R4, nördlich der Straßeneinmündung von Heidmoor, abgeladen habe. Zeuge B., Lentföhrden: „Gesund wurde hier keiner, Sie mussten schwer arbeiten und wurden totgehungert“, Zeuge S., Lentföhrden: „Sie verschlangen rohe Rüben und Kartoffeln, bekamen Durchfall und wurden wieder arbeitsunfähig.“ Zeuge B., Lentföhrden: „Jeden Tag starben dort durchschnittlich 9-15 Russen. Die Leichen wurden abgefahren  nach dem Flugplatz, immer mit demselben Flugzeug, wahrscheinlich vom Gut Alt-Springhirsch. Von den Massengräbern weiß er nichts. Er weis aber und hat es mit eigenen Augen gesehen, wie die Leichen einfach in Gruben geworfen wurden, die gerade ausgebaggert wurden zur Rohrverlegung und zu anderen Zwecken. Dann wurden sie zugeschüttet oder auch überbaut.“ Zeuge R., Lentföhrden: „Es hieß damals, dass ein Teil der vielen Toten vom Russenlager von den Gefangenen mit Schubkarren durch den Wald gefahren und am Ostrand der Jung´schen Tannen in große Löcher geworfen wurden.“

Da der Luftkrieg und die Verteidigung geübt werden musste, gab es in der ersten Jahreshälfte 1941 im Lentföhrdener Moor tagelang Gefechtsübungen. Jedes Mal wurden diese Unternehmungen in der Presse angekündigt und das ganze Gebiet sorgfältig abgesperrt.

[1] Am Sonntag, den 30.11.41 mußte Bürgermeister Böge einen Flugzeugabsturz an den Landrat melden. Hier stürzte um 23:50 eine englische Halifax ab, vermutlich mit einer Flak getroffen, ca. 400 m westlich des Bahnhofes ab und verbrannte. Die Besatzung (Einheit No. 35 Sqn. L9582, RAF (Hamilton*, Lythgoe*, Stapleford*, Connor*, Hendersen*, Collins+) konnte sich mit dem Fallschirm retten und wurde bald darauf ergriffen. Es fehlte nur der Heckschütze F/S Collins, den man nächsten Morgen tot in der Maschine fand.

[1] Am Sonntag, dem 30.11.41, mußte Bürgermeister Böge einen Flugzeugabsturz, vermutlich durch Flak, an den Landrat in Bad Segeberg melden. Hier stürzte ungefähr um 23:00 eine englische Halifax L9582 der No. 35 Squadon RAF, aus südlicher Richtung kommend,  ca. 400 m östlich des Lentföhrdener Bahnhofs ab und verbrannte. Die Besatzung konnte sich mit dem Fallschirm retten und wurde bald darauf ergriffen ( Hamilton*, Lythgoe*, Stapleford*, Connor*, Henderson*). Es fehlte nur der Heckschütze F/C Collins, den man am nächsten Morgen tot in der Maschine fand.
Erna Zukowski, Tochter des Bürgermeisters Böge berichtet dazu, dass sich der Absturz zwischen 00.00 Uhr und 01.00 Uhr ereignete und das Flugzeug brennend zu Boden fiel. Die Absperrung übernahmen Soldaten der 1. Marine – Kraftfahrer – Ausbildungs – Abteilung.

1942

[2] „Im Frühjahr 42 wurde hier ein kleines Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Zu dem Zweck wurde das in der Nähe der Walburg gelegene Stallgebäude wohnlich hergerichtet und mit Stacheldraht eingezäumt und dann mit etwa 30 gefangenen Polen besetzt. Sie mußten an dem am Bahnhof errichteten 5 großen Strohschuppen arbeiten und das Bahnhofsgelände erweiternd ebnen, neue Wege und neue Gleisanlagen machen. Im übrigen genießen sie als „Kriegsgefangene“ recht viele Freiheiten, haben sich bei ihren „Heim“ einen kleinen Garten und auch einen Sportplatz angelegt.“

1943

Im Jahr1943 wurde es ernst. Hamburg wurde das Ziel verheerender Angriffe. Fortan gab es ständige Angriffe.

[2] „Nachdem die Stadt Hamburg schon mehrere Terrorangriffe von der englischen Luftwaffe zu erleiden hatte (am 27.7.42 Großangriff) wurde die Stadt in diesem Jahre durch 4 Großangriffe in furchtbarster Weise heimgesucht. Der erste Angriff geschah in der Nacht vom 24. auf den 25. Juli 43. Von etwa 11 Uhr an hörte man in nicht aufhörender Weise das Brummen der Flugzeuge, die alle südwärts auf Hamburg zuflogen. Bald setzte auch das Schießen der Flak ein und man hörte das Detonieren der Bomben, und kurz darauf sahen wir von hier den riesigen Feuerschein brennender Stadtteile.
Am nächsten Tag und nachdem kurz darauf noch folgenden 3 Angriffe setzte ein riesiger Flüchtlingsstrom auf unserer Reichstraße ein. Wohl nie hat Chaussee und die Bahn einen solchen Verkehr aufzuweisen gehabt.
Zu Fuß, per Rad, mit Hand- und Kinderwagen, auf Krafträdern, in Personenkraft- und Lastwagen und in der Bahn mit ungeheuer langen Güterzügen kommen die leidenden abgehetzten Menschen hier an. Was getan werden konnte, geschah, um ihnen zu helfen.
Hier im Dorf wurden etwa 400 Flüchtlinge untergebracht und verpflegt. Viele Menschen waren dabei, die nichts weiter gerettet hatten, als ihr Zeug, das sie anhatten.“

25.7.1943 Erna Zukowski berichtet, dass sie an diesem Sonntag mit ihrer Schwester Lore Böge auf Anweisung Stanniolstreifen einsammelte, als sie den Absturz eines Bombers bei Wierenkamp beobachtete. Die Schwester lief durch ein Kornfeld und sah dort einen Toten mit einem Fallschirm, der teilweise verbrannt war und der eine „blitzenden Ring“ trug. Örtliche Feuerwehrleute bedeckten dann die Leiche mit Sand. Der Ring soll später verschwunden gewesen sein.

Um die Alliierten zu täuschen, wurde 1943 auf den Heidmoorer Moorweiden ein „Scheinflughafen“ errichtet; und in diesem Zusammenhang erhielt dann auch Hasselbusch-Ortsteil Weddelbrook (das ehemalige Lager III) elektrisches Licht. Auf den Viehweiden wurden Flugzeuge aus Sperrholz errichtet. Es wurden „Scheinlandebahnen“ durch zu beleuchtende Lampen abgesteckt, die nachts hell strahlten.

1944

[1] [4] Am 5.1.44 wurde ein amerikanischer Lockhead – Jäger nördlich von Lentföhrden bei Luftkämpfen abgeschossen. An diesem Tage hatte es die USAAF mit ihren schweren Bombern auf Industrieanlagen in Kiel abgesehen. Die zweimotorige P-38 taumelt plötzlich in der Mittagszeit durch die Wolkendecke und stürzte auf die Hauskoppel des Bauern Rickert. Das Flugzeug verfehlte nur knapp die Scheune des Bauern, schlug auf und fing sofort Feuer. Der alarmierte Bürgermeister informierte die zuständigen Stellen und die Lentföhrdener Feuerwehr, die sofort ausrückte, um den Brand zu löschen. Bei diesen Arbeiten entdeckte man, daß der tote Flugzeugführer noch angeschnallt in seiner Maschine saß. Er hatte einen Kopfschuss und selbst noch die Hand am Maschinengewehr. Sein Name war Oberleutnant Herbert T. Winter. Der 22-jährige wurde von seinem Flügelmann zuletzt im Raum Kiel gesehen, als mehrere Bf 109 die Amerikaner überraschten. Von seiner Einheit getrennt, war er offenbar einigen deutschen Jägern zum Opfer gefallen. Obwohl Bürgermeister Böge schnell handelte, traf das Bergungskommando des Flugplatzes Kaltenkirchen erst am nächsten Morgen in Lentföhrden ein. Während der sehr kalten Nacht mußte die Lentföhrdener Feuerwehr das Wrack mit dem toten Flugzeugführer bewachen. Als am Morgen die Luftwaffe 1. MKAA aus Springhirsch/Heidkaten eintraf, wurde Winter in einen Holzsarg verfrachtet und nach Kaltenkirchen gebracht. Die Reste der Maschine wurden erst Tage später abgefahren. Neben einigen Kleinteilen ließ man nur einen Handschuh des toten Piloten an der Absturzstelle zurück  Es ging auch noch ein Bomber bei Förden – Barl nieder, ein Fallschirmspringer wurde bis nach Lentföhrden getrieben und hing in einem Apfelbaum nahe der B4.

2nd Lt Herbert T. Winter war Angehöriger der 55th US Fighter Group 4267060 USAAF und wurde am 6.1.44 in Kaltenkirchen beerdigt.

winterUSAEin Gräbernachweis (s. Ablichtung) aus Kaltenkirchen, der die Grablage von Lt. Herbert T. Winter dokumentiert.

Die Gruppe III des Jagdgeschwader 7 unterhielt im Waldlager Heidkaten 12 Maschinen und technisches Personal. Der Gefechtsstand mit Funkzentrale hatte sich in der Lentföhrdener Schule niedergelassen.

Zu den Tarneinrichtungen des Einsatzhafens gehörte auch der im Grootmoor südlich von Lentföhrden angelegte Scheinflugplatz, dessen Bezeichnung Boot BL 5 war. Er besaß Positionslampen und verschiedene Attrappen. Diese Scheinanlage hatte eine kleine Besatzung, die gegebenenfalls Leuchtfeuer bei englischen Nachteinflügen entzündete und einen Flugbetrieb vortäuschte. Die Anlage sollte vom eigentlichen Flugplatz Kaltenkirchen ablenken.

Gemäß einer Anordnung des SS- und Polizeiführers sollte in den letzten Kriegswochen im April, als sich die baldige Annährung der englischen Streitkräfte abzeichnete, einige Häftlinge des Gestapo-Gefängnis Fuhlsbüttel nach Kiel gebracht werden. Am 13.4.45 erreichte der Marsch mit den „Kolafu-Häftlingen“ die Reichstrasse 4 bei Lentföhrden. Auch während dieses Abschnitts wurden mehrere Häftlinge erschossen, weil sie nicht mehr marschieren konnten. Ein „kleiner Russe“ habe sich im Heu versteckt und wurde ebenfalls „auf der Flucht“ erschossen.
Es zogen auch weiter Häftlinge aus dem Arbeitslager Waltershof durch das Land und übernachteten auf einigen Bauerhöfen in Lentföhrden.
Am 20. April war das Kanonendonner der Engländer an der Elbe zu hören.

[2] „Auch das Dorfbild erfuhr eine Veränderung. Im Westteil des Dorfes wurde für eine Nachrichteneinheit der Wehrmacht eine große Baracke aufgestellt und mit „Landsern“ besetzt. Diese Soldaten stammten meist aus Süd – und Mitteldeutschland und konnten sich mit unserer niederdeutschen Mundart und noch dazu mit unserem windigen Klima hier zwischen Nord – und Ostsee gar nicht recht vertraut machen. Aber dann gewonnen sie allmählich mehr Fühlung mit den Dorfbewohnern, so daß manchen von ihnen beim späteren Verlassen unserer Gegend, der Abschied schon schwer geworden sein mag.
Auch etwa 90 Nachrichtenhelferinnen wurden hier in Einzelquartieren untergebracht.“

1945

25.4.1945 Um 10.15 Uhr fand im Raum Bad Bramstedt der letzte Tieffliegerangriff statt. Acht britische Flugzeuge griffen einen Möbelwagen zwischen Bad Bramstedt und Lentföhrden an, der in Flammen aufging. Der Beifahrer wurde getötet, der Fahrer erhielt einen Fuß- und Oberschenkeldurchschuss. Zwei mitfahrende Menschen konnten rechtzeitig das Fahrzeug verlassen.

29.4.1945 Erna Zukowski, berichtet, dass sich im April in großer Höhe Luftkämpfe zwischen deutschen Jäger und alliierten Verbänden abspielten, wobei einige Geschosse in ihr Haus einschlugen. Bei einem Pappdach war das für ihre Familie sehr gefährlich. Zwischen dem 15. und 18. April flogen wie auch sonst oft britische Tiefflieger über die AKN Strecke parallel zu der Reichsstraße 4 und griffen die Züge an, wobei es zwischen Quickborn und Kaltenkirchen zahlreiche Verletzte gab. Auf der R4 wurden Flüchtlingstrecks beschossen, wobei eine auf einem Pferdewagen sitzende Mutter von vier Kindern schwer verletzt wurde.

Hamburg ergab sich am 4. Mai. Die letzten Truppenteile und Verbande sollten sich in der Linie Pinneberg – Elmshorn – Lutzhorn formatieren. Ein Teil der Division sollte über Quickborn bis Lentföhrden rücken und sich dort am Bahnhof melden um weiter Befehle abzuwarten. Die Truppe sollte sich auf einen hinhaltenden Widerstand an der Straßengabel nach Kaltenkirchen 500 m südlich von Lentföhrden einrichten…

[2] „Der Mai brachte die Kapitulation des deutschen Heeres und damit auch die Besetzung unseres Dorfes durch englische Truppen. Mehrere Häuser des Dorfes und auch die Bahnhofswirtschaft mußten ganz geräumt werden. Sämtliche Schulen wurden geschlossen. Alle Waffen, Ferngläser und Photogeräte, sowie auch Fahrräder und Kraftfahrzeuge mußten abgeliefert werden. Ferngläser, Photogeräte und Fahrräder konnten, sofern sie nicht inzwischen verschwunden waren, bald wieder abgeholt werden.

Unsere Chaussee bot während dieser Tage ein Bild furchtbarsten Elends. Die aufgelösten Einheiten des deutschen Heeres zogen einzeln und in kleinen Gruppen mit schwer bepackten Fahrrädern, Handkarren und Fuhrgeräten jeglicher Art südwärts ihrer Heimat zu. Eins der Klassenzimmer war dauernd mit Heimkehrern, die hier Unterkunft und Verpflegung suchten, belegt. Andere übernachteten auch bei den Bauern im Stroh, um am nächsten Morgen weiter ins Ungewisse zu wandern.

Zu gleicher Zeit kamen aus dem Osten Flüchtlinge in großer Zahl, teils mit der Bahn oder mit Lastkraftwagen oder auch in größeren oder kleineren Trecks. Teils wurden sie hier auf Dauer einquartiert, und wenn das Dorf auch schon voll schien, so kommen doch immer mehr. Es mußte tüchtig zusammengerückt werden. Die Einwohnerzahl des Dorfes wuchs schnell auf das Doppelte.

link: As de Tommies keemen

Unruhe über Unruhe. Am 19. Juli 45 kamen hier einige Engländer und Polen, um für etwa 60 polnische Offiziere Quartier zu machen. Innerhalb 3 Stunden mußten beide Schulklassen geräumt sein. Auch 2 in der 2. Lehrerwohnung einquartierte Familien mußten in dieser kurzen Zeit ein anderes Quartier bezogen haben. Die Schulbänke und – Tische wurden auf den Boden der Meierei untergestellt. Aber schon nach etwa 10 Tagen wurden die beiden Klassenräume sowie auch die Lehrerwohnung wieder frei, und die Polen wurden anderweitig im Dorf untergebracht.“

Quelle aus dem Büchern: „Verschleppt zur Sklavenarbeit“, „Zwölf wieder gefundene Jahre“ und „Das Scheitern der Demokratie in ländlichen Raum“; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Hoch
[1] aus: „Flugzeugabstürze während des Zweiten Weltkrieges im Gebiet des Kreises Segeberg“ von Thomas Hampel
[2] aus: „Schulchronik Lentföhrden“
[3] Protokolle aus Gemeindeunterlagen

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