Die Landaufteilung

Die Landaufteilung                                                                                     von Erwin Voß

Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung Lentföhrdens ist das Jahr 1793. Es fand nämlich in diesem Jahr die Landaufteilung statt. Am 17. Juli 1793 waren sämtliche Eingesessenen des Dorfes Lentföhrden nach Ulzburg geladen. Das damals verfasste Protokoll gibt uns Bericht über den Verlauf der Versammlung:

„Geschehen zu Ulzburg, den 17. July 1793“

Bey der auf heute festgesetzte Verteilung des Dorfes Lentföhrden waren gegenwärtig:

Amtmann Freiherr von Pochlin, Oberlandinspektor und Major Brunn, Landinspektor Otto Paulsen, Haus- und Kirchspielvogt Wichmann, Kirchspielvogt und Branddirektor Horn, Landmesser Stolley, die beiden Bonitierungsmänner Thießen und Börendsen und endlich die sämtlichen Eingesessenen des Dorfes Lentföhrden, wobey für Carsten Ohrts Wittwe Hinrich Boye als Curator erschienen.

  1. Zuerst ward die Berichtigung der Pflugzahl und Namen der Besitzer im Erdbuch vorgenommen.
  2. Auf die vorläufig schon gesehene Mitteilung des Bonitierungsinstrumentes über die gemeinen Weiden und die wiederholte Bekanntmachung der festgesetzten Bonität erklären die Eingesessenen, daß sie mit derselben vollkommen zufrieden wären und keine Veränderung in dieser Absicht wünschten. In Ansehung der Bonitierung der gemeinschaftlichen Ackerländereyen ward man sich dahin einig, daß hierüber eine nähere Untersuchung an Ort und Stelle stattfindet und die etwa hin und wieder vorzunehmenden Veränderungen durch gütliche Vereinbarungen zu Stande gebracht werden sollen.“

In den folgenden Abschnitten wird dann über die Landverteilung berichtet. Erklärt sei hier noch der oben angeführte Begriff „Pflugzahl“. Im Jahre 1827 kamen im Kirchspiel Kaltenkirchen auf jeden Pflug 97 Tonnen. (2 Tonnen = 1 ha). Damit keiner bei der Verteilung des Gemeinlandes in der Bodenart benachteiligt wurde, verloste man die Ackerländereien. Gemeinland ist ein Stück germanischen Wirtschaftslebens. Man nannte es früher „Allmende“. Die ersten allgemeinen Ackerländereien sind sehr wahrscheinlich „de Ackern“, „groten und lütten Kamp“ und „de Hemstedt“. Um 1770 wurden außer diesen Ländereien noch Teile vom „grön Viert“, „Bartenkamp“, „övern Weddel“, „Otternbrok“ und vom „Langstück“ beackert.

Die Landverteilungsakte schloß mit folgendem Protokoll:

„Actum Lentföhrden, den 28. July 1795.

­Wenn nunmehro nach Anleitung der errichteten Vertheilung acten und den getroffenen Vereinbarungen der Vertheilungsgeschäfte des hiesigen Dorfes beendigt, auch einem jeden Einwohner die erhaltenen Anschlüsse und Koppeln ausgelegt und die Scheiden derselben angewiesen worden, so waren heutigen Tage die sämtlichen Hufner, ausgenommen der Bauernvogt Jasper Siems, die Hufner Hinrich Böge, Andreas Orth und Marx Biehl, welche abwesend, nebst den beyden Käthnern von Wierenkamp versammelt, um befragt zu werden, ob ihnen die angezeigten Scheiden hinlänglich bekannt und ob sie überhaupt über die durch die Landmesser Stolley und Nissen bewerkstelligten Ein- und Verteilung sowohl des Ackerlandes als der Gemeinheit etwas in Anerinnerung zu bringen oder wider selbige und der geschehenen Auslegung der Wege und Fußsteige nichts einzuwenden hätten. Zugleich wurde ihnen eingeschärft, ihre gegenwärtig erhaltenen und ihnen hinlänglich bekannten Landscheiden sorgfältigst zu bewahren, auch die ausgelegten Wege nicht zu beengen, sondern so liegen zu lassen, wie selbige abgepfählt sind.

Urkundlich haben sämtliche Anwesenden dieses eigenhändig unterschrieben:

Hans Hinrich Wessel, Christian Gripp, Claus Gülk, Carsten Biehl, Jasper Siems, Claus Fölster, Barthold Rickert, Paul Grelk, Hinrich Fölster, Hans Bestmann, Jasper + Siems eigenhändig gezogenes Kreuz, Dirck Böye, Ratje Storjohann.

Actum ut hupra in fidem H.Springer.

Nachdem das Protokoll soeben geschlossen, erschienen noch der Bauernvogt Jasper Siems und der Hufner Hinrich Böge, welche dieses Protokoll ebenmäßig unterschrieben.

Am nächsten Tage wurde das Protokoll noch unterschrieben von Andreas Orth und Marx Biehl.“

Am Schluss der Landaufteilungsakte heißt es dann:

„Vorstehende die Dorfschaft Lentföhrden in künftigen Fällen zu unabänderlichen Richtschnur dienende Landauftteilungs-Ackte wird in allen Punkten u. Klauseln von mir als p.t. Amtmann confirmiert

Segeberger Amthaus, den 29. November 1798

M.J.von Pochlin.“

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