Die Kampener Mühle und ihre Besitzer von 1659 bis 1942

Die Kampener Mühle und ihre Besitzer von 1659 bis 1942

Karl Fischer Kaltenkirchen, Juni 1942

Kampen-Opa OeserAn der alten Landstraße, die sich – heute nicht mehr überall deutlich verfolgbar – von Hamburg in nördlicher Richtung nach Bad Bramstedt und weiter über den Holsteinischen – Mittelrücken zieht und deren südlichste Strecke jetzt noch die ausgebaute Verkehrsstraße Ochsenzoll – Lentföhrden bildet, liegt nördlich von Kaltenkirchen das kleine Dorf Kampen und an dessen Nordausgang ein schmucker Bauernhof: „die Kampener Mühle“.

Nach der bisher ermittelten ältesten Nachricht über die Kampener Mühle aus dem Jahre 1649, (Acta B9IX.3 Nr.136) war sie damals Eigentum der königlichen Landesherrenschaft. Es sollte 1649 ein neuer Mühlstein beschafft werden.

Im Jahre 1655, am 21.2. heiratete Daniel Wulff eine Elsabe Loops, geb. Stammerjohann, die Witwe von Martin Loops. Aus den Akten geht hervor, daß Daniel Wulff 1659 bewirtschaftete (B.IX.3.Nr. 437 Folio 80). Es liegt darüber eine Obligation vor, in der Daniel Wullf bescheinigt, Kapital seiner Stieftochter Margarethe Loops, geb.27.1647, leihweise erhalten zu haben. Ob etwa Daniel Wullf als Müller Nachfolger von Loops gewesen ist war nicht zu ermitteln; wie überhaupt nicht festgestellt werden konnte wann er die Mühle übernahm.

In dem Erbbuch des Amtes Segeberg vom Jahre 1665 (B.IX.3 Nr.39 Seite 63) wird bestätigt, daß Daniel Wulff in Kampen ansässig war und sich dort angebaut hatte. Er wird dort als „Zubauer Daniel Wulff, 1 Kate Neuland“ bezeichnet. Danach könnte er also die Pachtung der Mühle übernommen und zur Wohnung die Kate errichtet haben. Über die Mühle selbst wird am Schluß der Eintragungen für das Dorf Kampen gesagt: „bei diesem Dorfe liegt eine Mühle so boshero ins Register gegeben 233 Rthlr. 16 sh u.d. Amtmann 10 Rthlr.“ Das wird wie anzunehmen die jährliche Pacht gewesen sein, die an die Landesherrenschaft jährlich abzuführen war.

Daniel Wu!ff’s Tochter Elisaeth, geboren am 12.4.1661 heiratete am 15.8.1080 Otto Paustian (Kirchenbuch Kaltenkirchen) und mit ihm tritt das erste Mitglied der Familie Paustian als Pächter der Mühle auf. Seine Nachkommen sitzen noch heute auf Mühle.

Wohl war die Mühle noch königliches Eigentum, doch war dem Amtmann Hinrich Blome dafür, daß er der Landesherrenschaft eine größere Summe Geldes zur Verfügung gestellt hatte, von der ihm nur ein kleiner Teil erstattet worden war, das Erbpachtrecht auf die kampener Mühle für sich und seine Erben gegen Zahlung einer jährlichen Pachtsumme zugestanden worden. Diese Pac2tsumme hat sich im Laufe der Jahre mehrfach geändert und 1730 endlich wurde den Erben Hinrich Blome’s gegen Erlegung eines jährlichen Kanons von 100 Rthlrn. die Kampener Mühle als Eigentum zugesprochen -Acta B IX 3 Nr. 136).

Die Familie Blome hat die Mühle niemals selbst bewirtschaftet, sondern sie stets weiterverpachtet. Es ist nachzuweisen, daß die Mühle seit der Übernahme durch den Schwiegersohn Daniel Wulff´s, also seit 1680 ununterbrochen im Besitz der Familie Paustian sich befindet. 1824 ging sie in das Eigentum des derzeitigen Besitzers über.

Bis auf den Wechsel von Daniel Wulff auf Otto Paustian ist es gelungen die entsprechenden Unterlagen über die jeweilige Überlassung vom Besitzer auf den Nachfolger zu ermitteln.

Über die Besitzverhältnisse nach Otto Paustians Tod, der 1699 erfolgte, herrschten bisher falsche Ansichten, die heute berichtigt werden können. Es kam nach ihm nicht-etwa eine andere Familie auf die Mühle, sondern seine Witwe Elisabeth heiratete Christian Bartels.

Sie teilte mit ihren 9 noch unmündigen Kindern ab und bewirtschaftete zusammen mit ihrem zweiten Mann die von der Familie in Afterpacht erhaltene Mühle weiter. (Acta B 3 Nr. 437 Seite 300, 301, 379, 425, 431, B IX 3 Nr. 363).

Nach einem vorliegenden Kontrakt vom 8.3.1718 erkaufte sich dann Otto Paustian, der Sohn Otto Paustian des älteren, das Erbpachtrecht von der Familie Blome für 5 000 Rthlr. Seine Mutter Elisabeth Bartels verw. Paustian und sein leiblicher Bruder Daniel Paustian, der von seiner Mutter die Mühle als Afterpächter übernommen hatte, machten dem Sohne Otto Paustian Schwierigkeiten bei der Übernahme, die sogar in Tätlichkeiten ausarteten. Otto Paustian klagte nämlich unter dem 20.4.1719, daß sein Bruder Daniel Schlägerei mit ihm angefangen und seine Mutter ihn einen Dieb gescholten habe, als er die Mühle übernehmen wollte. Otto Paustian der jüngere hatte, bevor er die Kampener Mühle übernahm, die Mühle in Oldeslohe für den verstorbenen Müller Schacht bewirtschaftet, (Acta B IX 3 Nr.437 Seite 425/31) wo er auch seine Frau Elisabeth Schacht kennenlernte.

Durch diese Heirat wird er vermutlich in den Stand gesetzt sein, das Pachtrecht auf die Kampener Mühle zu erwerben. Kinder hat Otto Paustian nicht gehabt, er muß nach kurzer Ehe (1721 – 27) verstorben sein. 1728 ist bereits von seinem älteren Bruder Claus Paustian die Rede, der neben der Mühle auch eine Konzession für Krügerei hatte. (B IX 3 Nr. 437 3eite 605). In zahlreichen Stücken läßt sich sein Besitzverhältnis zur Mühle nachweisen. 1744 verstarb auch der Stiefvater Christian Bartels und die Mutter Elisabeth Bartels; Otto Paustian des älteren Witwe teilte nun endgültig mit ihren noch lebenden Kindern ab. (B IX 3 Nr. 438 Seite 157, 255, 179 u. 336, B IX 3 Nr. 136, 363).

Claus Paustian ist am 13.10.1758 verstorben. Nach dem Teilungsprozess der Erben erfolgte die Bewirtschaftung der Kampener Mühle gemeinsam zwischen der Witwe und den Kindern der 1. Und 2. Ehe. Claus Paustian hatte nämlich zum zweiten mal geheiratet. (Acta B IX 3 Nr. 439 Seite 942).

Erst 1769 am 9.5. erhielt der Sohn des Claus Paustian Nicolaus Friedrich Paustian, geb. am 30.9.1744 seinen sog. Hausbrief (B IX 3 Nr. 441 Seite 42/46. Im Jahre 1780 schließt er mit der Familie Blome einen Kontrakt auf Erbpacht „bis zum ewigen Tag „, 1781 erbaute Nicolaus Friedrich Paustian mit besonderer Genehmigung neben der Wassermühle eine Windmühle. Wie schon seine Vorfahren, so kaufte auch er mit der Zeit immer mehr Katen und Ländereien an und vertauschte wiederum das eine oder das andere, so daß das Besitztum der Familie sich stets vergrößerte. Auf dem Krankenbett, am 1.11.1816 schloß Nicolaus Friedrich Paustian mit seinem Sohne Georg für (32 000 Reichbanktaler) Andreas Paustian einen Vertrag, nachdem er die Mühle mit Zubehör für 32000 Rthlr. übernehmen sollte. (BIX 3 Nr.445 Seite 1309/10. Georg Paustian heiratete 1817 am 17.8.Catharina Elisabe Aoel, eine Müllerstochter aus Kaden. Die eigentliche Übernahme durch Georg Andreas Paustian ist erst kurz vor dem 1820 erfolgten Tode des Vaters erfolgt. Im Jahre 1824 wurde auf seinen Antrag das Erbpachtgeld von 475 Reichstalern in das Schuld – und Pfandprotokoll „als erst Priorität“ für die Familie Blome eingetragen. (BIX 3 Nr.363, 136) dadurch wurde die Mühle Eigentum des Georg Andreas Paustian.

Seine Mutter Margaretha geb. Tiedemann, Tochter des Rantzauer Müllers Tiedemann starb im Juli 1832, ihr Nachlass kam im Folgenden zur Teilung. (BIX 3 Nr. 447 Seite 802, 929/31.) Kampener Mühle.

Im Jahre 1852 trat Georg Andreas Paustian ab und überließ die Mühle mit allen Gebäuden und Ländereien seinem Sohne Jacob August Christian Paustian mit Kontrakt vom 7.7.1851 für 65 000 Mark Courant.

Jacob August Christian Paustian starb am 15.1903. Wann er die Mühle seinem Sohn August Paustian, geb. 28.4.1857, übergeben hat ist in dem Staatsarchiv befindlichen Archivalien nicht zu ermitteln gewesen. Auch die Übergabe der Mühle von August Paustian auf den heutigen Besitzer August Detlef Paustian läßt sich im Staatsarchiv nicht feststellen. Minder beschwerlich war es diese letzten Daten der Übernahme aus den beim Amtsgericht in Bad Bramstedt befindlichen Akten zu ermitteln.

Jedenfalls ist es nachgewiesen, da3 die Kampener Mühle seit mehr als 250 Jahren durch Mitglieder der Familie Paustian bewirtschaftet wird, wie aus untenstehender Aufstellung ersichtlich.

Die dem ganzen Gewese ursprünglich den Namen gebende sucht das Auge heute vergeblich, sie wurde wie viele ihrer Schwestern, ein Opfer der Zeit, neuartiger Betriebsmethoden und moderner Großbetriebe. Nachdem die Staugerechtsumme eine, durch Senkung des Wasserspiegels die Betriebsfähigkeit der Mühle herabminderte, Einschränkung erfahren sollte, wurde diese 1916 abgebrochen und der 18 To. große Stausee eingeebnet. Der Besitzer wurde entschädigt.

Nur die Schirnau, deren Wasser jahrhundertelang die Räder der Mühle trieben, fließt noch, ungehemmt und leise rauschend, in ihrem Bett durch Weideland und Unterführung. Eine große parkähnliche Gartenanlage mit schönen alten Bäumen und gepflegte Rabatten dem Hof gegenüber, gegen dem Ganzen ein anheimelndes Gepräge.

Die Familie Paustian stammt aus Tilsit. Die Vorfahren, lassen sich bis auf die Zeit der Belehung des Kurfürsten mit Ostpreußen , durch den König von Polen, zurückverfol6en. Das Geschlecht steht um mit dem jetzigen Besitzer August Detlef Paustian auf den letzten beiden Augen.

Ü b e r s i c h t

Über die Pächter bezw. Besitzer der Kampener Mühle, Krs. Segeberg

1659 – 1680 Daniel Wullf

1680 – 1699 Otto Paustian der ältere

1699 – 1705 seine Elisabeth Paustian ge . Wulff

1705 – 1718 dieselbe: Elisabeth Bartels verw. Paustian, die zeitweise

an ihren Daniel P. weiterverpachtete.

1718 – 1727 Otto Paustian der jüngere, ihr Sohn erster Eh .

1728 – dessen älterer Bruder Claus Paustian. (1728 – 1758)

1758 – 1769 dessen Witwe aus 2. Ehe, L.M.E.Schröder und die Kinder

der 1. und 2. Ehe gemeinsam.

1769 – 1820 der Sohn Nicolaus Friedrich Paustian.

1820 – 1852 dessen Sohn Georg Andreas Paustian.

1883 dessen Sohn Jacob August Christian Paustian.

1883 1920 dessen Sohn August Paustian.

1920 – dessen Sohn August Detlef Paustian

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