Schulchronik 1847-1899

Schulchronik 1847-1899

Schule_TiebargDas jetzige Schulgebäude zu Lentföhrden ist gebaut worden im Jahre 1777. Dieselbe war ursprünglich sehr klein, 9 Meter lang und 9 Meter breit und aus Fachwerk gebaut. Im Jahre 1829 wurde ein Anbau vorgenommen, wodurch das Gebäude um einige 6 Meter länger und der neue Anbau reichlich 10 Meter breit gemacht wurde.

Als die Schülerzahl sich vergrößerte, wurde der Raum in der Schulstube zu klein und daher wurde im Jahre 1850 das Schulgebäude wieder durch einen massiven Anbau um 7 Meter verlängert. Dieser Anbau ist ganz zur Schulstube eingerichtet.

Im Jahre 1813 wurde der frühere Lehrer zu Brokstedt, der Autodidakt Hans Pohlmann hier als Lehrer angestellt. Derselbe hat die hiesige Schule bis zu seinem im Jahre 1830 erfolgtem Tode verwaltet. Sein Nachfolger wurde der Autodidakt Hans Pohlmann, Sohn des vorigen Lehrers, welcher bis zum Jahre 1864 hier Lehrer war, wo er in seinem 56 ten Lebensjahr an den Blattern[1] starb. Als sein Nachfolger wurde der Sohn desselben, der Autodidakt Hinrich Pohlmann constituiert und im Herbst 1865 als Lehrer angestellt.

Die Schülerzahl war im Jahre 1813 nur gering wohl 24 bis 30 genau lässt sich dieselbe nicht angeben, da erst seit den Jahren 1841 ein Schulprotokoll eingeführt worden ist. In letzterem Jahr betrug die Schülerzahl am höchsten nämlich 84. Von diesem Jahre an wurde die Anzahl der Schüler geringer. 1868 waren 70 Schüler, im Jahre 1870 war die geringste Anzahl, nämlich 43. Im Winterhalbjahr 1873 74 war die Schülerzahl 52, worunter sich jedoch 11 auswärtige befanden.

[1874]

Unter dem 28. Nov. 1874 wurde das Gehalt des Lehrers von der Regierung zu Schleswig um 313 M. 75 Pfg. erhöht, und dadurch das Einkommen der Schulstelle, außer Wohnung, Garten und Feuerung auf 960 M gebracht. Auch wurde am 14. Dez. 1874 zugleich Bestimmung über das Heizen und Reinigen der Schulstube getroffen und durch Vereinbarung der Commune mit dem Lehrer 18 M als jährliche Vergütung festgesetzt, wofür der Lehrer diese Verpflichtung übernommen hat.

[1875]

Im Frühjahr 1875 wurden von der Commune als Turngeräte ein Reck, ein Barren und ein Sprunggestell angeschafft und der dafür bestimmte Platz gebaut.

In der Schulstube mußte auf Antrag der Königl. Regierung die beiden Fenster auf der nördlichen Seite beseitigt werden, wodurch die Helligkeit der Schulstube namentlich im Winter, etwas beeinträchtigt worden ist.

Bei der Aufstellung der Jung ? für das Jahr ergab sich die Merkwürdigkeit, daß keine Schulkinder vorhanden waren, die im 12. Lebensjahr standen.

Die Schülerzahl war im Winterhalbjahr 1874/75 = 64. Im Sommerhalbjahr 1875 besuchten 44 Schüler die Schule; 16 waren für das ganze Sommerhalbjahr disponiert. Den Regetirunterricht besuchten im Sommer 1875 20 Schüler.

Auf Anordnung der Königl. Regierung wurde im Anfang des Jahres 1875 eine Schulmatrikel[2] angefertigt.

[1876]

Die Schülerzahl betrug im Winterhalbjahr 1875/76 = 63 wovon 10 confirmiert wurden. Im Sommerhalbjahr 1876 war die Schülerzahl 56, wovon 19 für den ganzen Sommer disponiert[3] waren.

Eine Schülerin, 10 Jahre alt, starb an der Auszehr. Den Unterricht besuchten 21 Schüler.

Zu dem am Königl. Schullehrerseminar in Segeberg vom 17. August bis zum 13. Sept. 1876 stattgefundenen Turnkursus wurde der Lehrer einberufen, und hat derselbe an diesem Kursus theilgenommen.

Im Sept. 1876 wurde das alte Nebengebäude für die Feuerung beim Schulhause abgebrochen und darauf von der Commune ein neues erbaut, welches außer dem Raum für Feuerung auch noch 2 Viehställe enthält.

Das Stück Gartenland am Schulhause, welches die Commune im Jahr 1850 vom Hufner Chr. Gripp für 2 M. 20 Pfg. jährlicher Grundmiete erstanden, wurde am 28. Dez. 1876 von der Schulcommune für 57 M. 40 Pfg. gekauft. Dadurch ist die Grundmiethe aufgehoben worden.

[1877]

Im Winterhalbjahr 1876/77 betrug die Zahl der Schüler 56, davon wurden 3 confirmiert.

Zu Anfang des Sommerhalbjahres wurden 8 Kinder, die im 6. Lebensjahr standen, aufgenommen als schulpflichtige Kinder. Im Sommerhalbjahr betrug die Schülerzahl 59, davon waren auf 6 Monate 18 Kinder, und auf 4 Monate 1 Kind dispensiert[4], den Regetirunterricht besuchten 19 Schüler.

Vor dem Eingang zum Schulzimmer wurde im August 1877 ein Vorbau mit einem feuerfesten Dache errichtet. Die Wohnstube des Lehrers wurde neu tapeziert und gemalen, die Schlafstube mit neuen Tapeten versehen. Angeschafft wurde eine neue Wandkarte von Deutschland, auch wurden 20 Stäbe für den Turnunterricht angeschafft.

[1878]

Im Winterhalbjahr 1877/78 war die Zahl der schulpflichtige Kinder 60, davon 4 Knaben confimiert, 1 Knabe 7 Jahre alt starb an Rachen?

Aufgenommen wurden zu Anfang des Sommerhalbjahres 10 Kinder. Im Sommerhalbjahr betrug die Schülerzahl 65, davon waren auf 6 Monate dispensiert 16. Schüler.

An Schulutensilien wurde ein neuer Schrank für die Aufbewahrung von Büchern, Heften usw. von der Commune angeschafft. Auch wurde zur Ergänzung der Lehrmittel ein neuer Globus angeschafft.

[1879]

Im Winterhalbjahr 1878/79 war die Zahl der schulpflichtigen Kinder 68, davon wurden 4 Mädchen confirmiert.

Aufgenommen wurden zu Anfang des Sommers 1879 9 Kinder. Die Schülerzahl betrug 67, davon waren auf 6 Monate dispensiert 16 Schüler, 8 Knaben und 8 Mädchen, von diesen waren 3 unter 12 Jahre alt.

In der Schulstube wurde im Sommer 1879 die Decke mit grauer Oelfarbe gemalen.

[1880]

Im Winterhalbjahr 1879/80 war die Zahl der schulpflichtigen Kinder 72. Davon wurden 7 confimiert, nämlich 1 Knabe und 6 Mädchen. Zu Anfang des Sommerhalbjahres 1880 wurden 8 Schüler aufgenommen (1 Knabe und 7 Mädchen). Die Schülerzahl betrug 70, davon waren auf 6 Monate von der Schule dispensiert 17 Schüler, 9 Knaben und 8 Mädchen, von diesen waren unter 12 Jahre alt.

Der Schulbesuch war in der zweiten Hälfte des Winterhalbjahres und auch in der ersten Hälfte des Sommerhalbjahres wegen des unter den Kindern herrschenden Scharlachfiebers sehr unregelmäßig. In einer Familie trat diese Krankheit besonders heftig auf, nämlich bei den Kindern des Schäfers H. Schmuck, hierselbst, dem 4 Kinder im Alter von 2 bis 9 Jahre alt innerhalb 5 Tagen starben. 2 derselben am 21. März und 2 andere am 26. März. Ein Knabe dieser Familie, 8 Jahre alt, ist von der Krankheit wieder genesen.

Im Laufe des Sommers starben noch 2 von den Schulkindern an dieser Krankheit, ein Knabe 8 ½ Jahre alt und ein Mädchen, 6 Jahre alt. Letzteres starb an einem Rückfall des überstandenen Scharlachfiebers.

[1881]

Im Winterhalbjahr 1880/81 war die Zahl der schulpflichtigen Kinder 71, nämlich 34 Knaben und 37 Mädchen, davon wurden 9 confirmiert, nämlich 4 Knaben und 5 Mädchen.

Zu Anfang des Sommerhalbjahres 1881 wurden 7 Schüler aufgenommen, 3 Knaben und 4 Mädchen. Die Schülerzahl betrug 71, davon waren auf 6 Monate dispensiert 15, nämlich 7 Knaben und 8 Mädchen, von diesen waren 2 unter 12 Jahre alt.

Am 21. März d.J. starb der bisherige Schulinspector Pastor Döring in Kaltenkirchen.

Am 22. und 23. April erkrankten von den 6 bis 9 jährigen Kindern, 27 an den Masern, welche fast alle Schüler erhielten. Obgleich diese Krankheit nicht bösartig auftrat, so war doch der Schulbesuch im April, Mai, Juni sehr unregelmäßig.

Der alte Backofen beim Schulhause wurde abgebrochen, da er zu nahe am Hause stand. Ein neuer Backofen wurde in größerer Entfernung vom Hause wieder gebaut.

Im Winterhalbjahr 1881/82 wurde die Schule von 71 schulpflichtigen Kindern besucht, 36 Knaben und 35 Mädchen.

[1882 ]

Zu Anfang des Sommerhalbjahres 1882 wurden 12 Schüler aufgenommen, 3 Knaben und 4 Mädchen. Die Schülerzahl betrug 74, davon waren auf 6 Monate dispensiert 15, darunter 6 Knaben und 9 Mädchen, von diesen waren 3 unter 12 J. alt.

Am 2. Februar wurde vom Schulinspector, Pastor Nissen die Schulprüfung abgehalten und am 22. April wurde die Schule von dem Herrn Pastor Sörensen geprüft. Der Gesundheitszustand der Schüler war ziemlich gut.

Am 20. Juli starb eine Schülerin von 8 Jahren nach einer zweiwöchigen Krankheit am Rachen.

Im Winterhalbjahr 1882/83 wurde die Schule von 73 schulpflichtigen Kindern besicht, 38 Knaben und 35 Mädchen.

[1883]

Confirmiert wurden 10 Kinder, 3 Knaben und 7 Mädchen. Zu Anfang des Sommerhalbjahres wurden 7 Schüler aufgenommen, 5 Knaben und 2 Mädchen. Die Schülerzahl betrug 73, davon waren auf 6 Monate dispensiert 14, nämlich 6 Knaben und 8 Mädchen, von diesen waren 5 unter 12 Jahren alt. Die Schulprüfung war am 21. Februar. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut.

Am 11. November starb eine Schülerin von 9 Jahren an den Nachwirkungen des Rachens ?

Am 10. November 1883 wurde die 400 jährige Gedenkfeier des Geburtstages Dr. Martin Luther durch eine Feier in der Kirche zu Kaltenkirchen gegangen.

Die Kirche war an diesem Tage voll besetzt von Kindern und machte auf die Feier einen erhebenden Eindruck. Die Kinder in hiesiger Schule erhielten auf Kosten der Schulkasse 60 Jubelbüchlein zu Dr. Martin Luthers 400 jährigen Geburtstage geschenkt, um auch ein bleibendes Andenken an diese Feier zu haben.

Auch werde von Sr. Majestät, dem Kaiser Wilhelm I als Festgabe zur Erinnerung an den 400 ten Geburtstag Luthers ein großes Ölgemälde: „Dr. Martin Luther im Kreise seiner Mitarbeiter die Heilige Schrift verdeutschend“ der hiesigen Schule zum Geschen überwiesen.

Im Winterhalbjahr 1883/84 wurde die Schule von 74 schulpflichtigen Kindern besucht, 43 Knaben und 31 Mädchen.

[1884]

Confirmiert wurden 6 Schüler, nämlich 3 Knaben und 3 Mädchen.

Zu Anfang des Sommerhalbjahres wurden 6 Schüler aufgenommen, 3 Knaben und 3 Mädchen. Die Schülerzahl betrug 73, davon waren auf 6 Monate dispensiert 15, nämlich 8 Knaben und 7 Mädchen, von diesen waren 2 unter 12 Jahren.

Die Schulprüfung wurde am 20. März abgehalten. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut. Da der vor der Eingangsthür zur Schulstube angebrachte Vorbau nicht massiv gebaut und deshalb nicht vorschriftsmäßig war, wurde derselbe abgebrochen und über der Eingangsthür ein Giebel erbaut. Hierbei mußte ungleich ein Teil der Außenwand, welche aus Fachwerk bestand, durch eine massive Mauer ersetzt werden.

[1885]

Im Winterhalbjahr 1884/85 wurde die Schule von 75 schulpflichtigen Kindern besucht, 43 Knaben und 32 Mädchen.

Confirmiert wurden 8 Schüler, nämlich 4 Knaben und 4 Mädchen. Zu Anfang des Sommerhalbjahres wurden 6 Schüler aufgenommen, 4 Knaben und 2 Mädchen. Die Schülerzahl betrug 70, davon waren auf 6 Monate dispensiert 14 Schüler, nämlich 10 Knaben und 4 Mädchen, von diesen waren 3 unter 12 Jahre alt.

Die Schulprüfung wurde am 5. März abgehalten. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut.

Eine bauliche Veränderung wurde am Schulhause vorgenommen, indem die große Thür an der Hausdiele durch eine neue ersetzt wurde.

Im Winterhalbjahr 1885/86 wurde die Schule von 73 schulpflichtigen Kindern besucht, nämlich 42 Knaben und 31 Mädchen.

[1886]

Confirmiert wurden 6 Schüler, worunter 2 Knaben und 4 Mädchen. Die Schülerzahl im Sommerhalbjahr betrug 66, davon waren auf 6 Monate dispensiert 14 Schüler, nämlich 11 Knaben und 3 Mädchen, von diesen waren unter 12 J. alt 1 Knabe. Die Schulprüfung wurde am 15. März abgehalten. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut.

Außer einem neuen Giebel an der westlichen Seite des Schulhauses sind keine baulichen Veränderungen an demselben vorgenommen.

Im Winterhalbjahr 1886/87 war die Zahl der schulpflichtigen Kinder 71, darunter 41 Knaben und 30 Mädchen.

[1887]

Confirmiert wurden 11 Schüler, nämlich 6 Knaben und 5 Mädchen. Aufgenommen wurden zu Anfang des Sommerhalbjahres 6 Schüler, 1 Knabe und 5 Mädchen.

Im Sommerhalbjahr betrug die Schülerzahl 65, davon waren 6 Monate dispensiert 16 Schüler, nämlich 13 Knaben und 3 Mädchen, von diesen waren unter 12 J. alt 4 Knaben und zwei Mädchen. Die Schulprüfung wurde am 1. März abgehalten.

Am 28. April war Herr Seminardirektor Friedrich aus Schleswig in der Schule anwesend, um im Auftrag der Königlichen Regierung eine Schulprüfung abzuhalten. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut.

Im Mai wurde auf der nördlichen Seite des Schulhauses ein Teil des Daches erneuert. Auch wurde die Bedürfnisanstalt für die Knaben, welche nicht vorschriftsmäßig war, neu hergestellt.

Im Winterhalbjahr 1887/88 war die Zahl der schulpflichtigen Kinder 65, darunter 36 Knaben und 29 Mädchen.

[1888]

Confirmiert wurden im Frühjahr 1888 11 Schüler, nämlich 6 Knaben und 5 Mädchen. Aufgenommen wurden zu Anfang des Sommerhalbjahres 6 Schüler, 5 Knaben und 1 Mädchen.

Im Sommerhalbjahr waren 61 Schüler vorhanden, davon waren 6 Monate dispensiert 15 Schüler, nämlich 13 Knaben und 2 Mädchen, von diesen waren unter 12 J. alt, 4 Knaben und 1 Mädchen.

Die Schulprüfung wurde am 2. März abgehalten. Bauliche Veränderungen sind im Jahr 1888 nicht vorgenommen worden.

Vom 1. Oktober 1888 an wurden der Schulgemeinde aus der Staatskasse vierteljährlich 100 Mark als Beihilfe zur Lehrerbesoldung überwiesen

Im Winterhalbjahr 1888/89 waren 62 Schüler vorhanden, nämlich 35 Knaben und 27 Mädchen.

[1889]

Confimiert wurden im Frühjahre 1889 11 Schüler, darunter 6 Knaben und 5 Mädchen. Aufgenommen wurden zu Anfang des Sommerhalbjahres 6 Kinder, nämlich 7 Knaben und 2 Mädchen. Im Sommerhalbjahre waren 57 Schüler vorhanden, davon waren auf 6 Monate dispensiert 14, nämlich 10 Knaben und 4 Mädchen, von diesen waren unter 12 Jahre alt 2 Mädchen. Die öffentliche Schulprüfung wurde am 28. März abgehalten.

Der Gesundheitszustand der Schüler war in den Monaten April bis Juli in Folge eingetretener Diphtherie nicht befriedigend. Von den Schülern sind an dieser Krankheit keine gestorben, während in 2 Familien je 2 Kinder im noch nicht schulpflichtigen Alter gestorben sind. Im März starb eine elfjährige Schülerin an Unterleibskrankheit und im September eine zwölfjährige Schülerin an Brustkrankheit.

Bauliche Veränderungen sind im Jahre 1889 nicht vorgenommen worden.

Vom 1. April 1889 an wurden der Schulgemeinde aus der Staatskasse vierteljährig noch weitere 25 M als Beihilfe zur Lehrerbesoldung überwiesen. In folge dessen haben die Beiträge der Schulinteressenten zum baren Gehalte des Lehrers aufgehört.

Im Winterhalbjahr 1889/90 waren 58 Schüler vorhanden, 37 Knaben und 21 Mädchen.

[1890]

Confirmiert wurden im Frühjahr 1890 4 Schüler, 1 Knaben und 6 Mädchen. Im Sommerhalbjahre 1890 waren 58 Schüler vorhanden, davon waren auf 6 Monate dispensiert 135 Schüler, darunter 11 Knaben und 2 Mädchen, diese waren sämtlich über 12 Jahre alt.

Die öffentliche Schulprüfung wurde am 24. Februar abgehalten. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen ziemlich gut. Anfang Januar erkrankte ungefähr die Hälfte der Schüler an der Influenza[5], wurden jedoch meistens nach einigen Tagen wieder gesund. Am 1. Februar starb ein zehnjähriger Knabe an der Diphteritis.

Bei der General-Kirchenvisitation am 26. Juli wurden hiesige Schüler in der Schule zu Kaltenkirchen in Religion geprüft.

Im November 1890 mußte der hiesige Lehrer zur Vertretung des kranken Lehrers in Nützen in der dortigen Schule unterrichten. Diese Vertretung dauerte 3 Wochen lang und es wurde wöchentlich 4 halbe Schultage dort unterrichtet.

Die schadhaften Fenster in der hiesigen Schulestube wurden durch neue ersetzt und mit größeren Scheiben versehen, wodurch es auch etwas heller in der Schulstube geworden ist. Auch wurde ein größerer Ofen für die Schulstube angeschafft. Am 1. November wurde das hiesige Schulgebäude mit einer Blitzableitung versehen.

Im Winterhalbjahr 1890/91 waren 57 Schüler vorhanden, 36 Knaben und 21 Mädchen.

[1891]

Confirmiert wurden im Frühjahr 9 Schüler, 6 Knaben und 3 Mädchen. Zu Anfang des Sommerhalbjahres wurden 6 Kinder aufgenommen, 5 Knaben und 1 Mädchen. Im Sommerhalbjahr 1891 waren 55 Schüler vorhanden, davon waren auf 6 Monate dispensiert 9 Schüler, darunter 6 Knaben und 3 Mädchen, alle waren über 12 Jahre alt.

Die öffentliche Schulprüfung wurde am 12. März abgehalten. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut. Nur im Januar und im Februar kamen wohl infolge der strengen Kälte manche Erkältungskrankheiten bei den Schülern vor.

Da der alte Schornstein zum Schulofen nicht vorschriftsmäßig angelegt worden war, so musste derselbe abgetragen und neu aufgebaut werden. Auch wurde die alte Einfriedigung des Schulbrunnens durch eine neue ersetzt.

Wegen Todesfall des Lehrers in Nützen musste der hiesige Lehrer im Monat Februar 3 Wochen lang wöchentlich 4 halbe Tage in der Schule in Nützen unterrichten.

Im Winterhalbjahr 1891/92 waren 52 Schüler vorhanden, 32 Knaben und 20 Mädchen.

[1892]

Confirmiert wurden im Frühjahr 1992 elf Schüler, 7 Knaben und 4 Mädchen. Aufgenommen wurden zu Anfang des Sommerhalbjahres 5 Kinder, 2 Knaben und 3 Mädchen.

Im Sommerhalbjahr 1892 waren 48 Schüler vorhanden, davon waren auf 6 Monate dispensiert 9 Schüler, darunter 5 Knaben und 4 Mädchen, von diesen war 1 Mädchen unter 12 Jahre alt. Vier Schüler wurden 23. März aus der Schule entlassen, weil ihre Eltern nach Amerika auswanderten. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut.

An Lehrmitteln wurden 4 neue Karten angeschafft, wofür 63 M gezahlt wurden. Aus Kreismitteln wurde der hiesigen Schule eine Wandkarte des Kreise Segeberg überwiesen. Von einem Schulfreund wurde ein neuer Kartenständer geschenkt.

Auf  Anregung des Schulinspektors bewilligte das Schulcollegium 32 M zur Gründung einer Schülerbibliothek. Für diese Summe wurden 34 Bücher angeschafft, welche von der Buchhandlung des Schleswig – Holsteinischen Schriften – Verein in Neumünster geliefert wurde. Diese Bücher wurden von den Kindern fleißig gelesen.

Im Winterhalbjahr 1892/93 waren 43 Schüler vorhanden, 26 Knaben und 17 Mädchen.

[1893]

Confirmiert wurden im Frühjahr 1993 vier Schüler, 2 Knaben und 2 Mädchen. Aufgenommen wurden zu Anfang des Sommerhalbjahres 1983 5 Kinder, 2 Knaben und 3 Mädchen.

Im Sommerhalbjahr 1893 waren 43 Schüler vorhanden, davon waren auf 6 Monate 9 Schüler dispensiert, 6 Knaben und 3 Mädchen und ein Mädchen unter 12 Jahre alt.

Eine öffentliche Schulprüfung fand im Jahr 1893 nicht statt. Dagegen wurde die Schule am 10. Februar von den Königlichen Schulrat, Herrn Dr. Butzki aus Schleswig geprüft. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut.

An Schulutensilien wurden 6 neue Schultische mit Bänken zu je 4 Sitzen abgeschafft. An Lehrmittel wurde ein Exemplar der Schneiderschen Wandfibel angeschafft.

In einer Sitzung des Schulkollegiums wurde beschlossen, vom 1. April 1983 an jährlich 400 M als Baufond zum Neubau eines Schulhauses anzusammeln. Auch wurde beschlossen, die Spanndienste zur Bearbeitung des Schullandes dem Lehrer vom 1. April 1983 mit jährlich 150 M zu vergüten.

Im Winterhalbjahr 1893/94 waren 38 Schüler vorhanden, 24 Knaben und 14 Mädchen.

[1894]

Confirmiert wurden im Frühjahr 1884 zwei Knaben. Zu Anfang des Sommerhalbjahres 1984 wurden 5 Mädchen aufgenommen.

Im Sommerhalbjahr 1894 waren 45 Schüler vorhanden, davon waren auf 6 Monate 8 Schüler dispensiert, nämlich 5 Knaben und 3 Mädchen, darunter ein Knabe war unter 12 Jahre alt. 2 Mädchen und ein Knabe waren 1 Monat lang dispensiert.

Die öffentliche Schulprüfung fand am 23. Februar statt. Der Gesundheitszustand der Schüler war bis Ende Oktober ein günstiger. Anfangs November 1984 verbreitete sich die Masern sehr unter den Schulkindern. Auf Anordnung des Schulvisitatoriums wurde die Schule vom 9. November bis zum 9. Dezember geschlossen. Die Krankheit trat meistens nur gelind auf, so daß alle Kinder dieselbe ohne nachteilige Folgen überstanden haben.

Die Schülerbibliothek wurde um 17 Bücher vergrößert. Von einem Schulfreunde wurden 15 Bücher geschenkt. 2 Exemplare: „Steglin Gustav Adolf“ wurde von der Königlichen Regierung der Schülerbibliothek überwiesen.

An Schulutensilien wurden 2 neue Schultische mit Bänken angeschafft. Ein Teil des Strohdaches am Schulhaus wurde neu aufgedeckt.

Im Winterhalbjahr 1894/95 waren 48 Schüler vorhanden, nämlich 24 Knaben und 24 Mädchen.

[1895]

Confirmiert wurden im Frühjahr acht Schüler, 2 Knaben und 6 Mädchen. Zu Anfang des Sommerhalbjahres wurden 5 Kinder aufgenommen, nämlich 4 Knaben und 1 Mädchen.

Im Sommerhalbjahr war die Zahl der Schüler 45, davon waren auf 6 Monate dispensiert: 6 Knaben, von diesen 2 unter 12 Jahre alt. Ein Knabe und 3 Mädchen waren 3 1/2 Monate dispensiert und ein Knabe 2 Monate. Die öffentliche Schulprüfung wurde am 12. März abgehalten. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut.

Nachdem noch 3 neue Schultische mit Bänken angeschafft worden sind, haben alle Schüler ihren Platz an den neuen Schultischen. Größere Reparaturen sind in diesem Jahr nicht erforderlich gewesen.

Es kam im Sommer 1896 der betrüblicher Fall vor, daß ein Kuhhirte dispensierter Knabe hiesiger Schule einen im freien Felde stehenden großen Heudiemen in Brand steckte. Infolge dessen wurde dieser 12 ½ Jahre alter Knabe von der Strafkammer des Königlichen Landgericht zu Kiel zur Zwangserziehung verurteilt. Derselbe ist dann am 25 März 1895 in das „Rauhe Haus“ zu Horn bei Hamburg aufgenommen worden.

Im Winterhalbjahr 1895/96 waren 47 Schüler vorhanden, darunter 26 Knaben und 21 Mädchen.

[1896]

Confirmiert wurden im Frühjahr 1896 nur 1 Mädchen, diese war ein auswärtiges. Welches für das Winterhalbjahr bei einem Hufner hierselbst in Pflege war. Zu Anfang des Sommerhalbjahres wurden 5 Kinder aufgenommen, nämlich 3 Knaben und 2 Mädchen.

Im Sommerhalbjahr war die Zahl der Schüler 52 vorhanden, darunter 30 Knaben und 22 Mädchen, davon waren auf 6 Monate dispensiert: 6 Knaben, alle über 12 Jahre alt. Zwei Mädchen waren auf 4 Monate dispensiert, 1 Mädchen und 2 Knaben auf 2 Monate.

Die öffentliche Schulprüfung wurde am 27. Februar abgehalten. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut.

Das Dach auf dem Nebengebäude des Schulhauses wurde im Frühjahr 1896 neu gedeckt. Andere Reparaturarbeiten sind nicht vorgekommen.

Im Winterhalbjahr 1896/97 waren 53 Schüler vorhanden, nämlich 31 Knaben und 22 Mädchen.

[1897]

Confirmiert wurden im Frühjahre 1897 acht Schüler, 3 Knaben und 5 Mädchen. Zu Anfang des Sommerhalbjahres wurden 8 Kinder aufgenommen, 1 Knaben und 7 Mädchen.

Im Sommerhalbjahre 1897 waren 51 Schüler vorhanden, darunter 25 Knaben und 26 Mädchen, von diesen waren 6 auf 6 Monate dispensiert, nämlich 4 Knaben und 2 Mädchen, alle über 12 Jahre alt. Ein Knabe unter 12 Jahre alt war auf 4 Monate dispensiert.

Die öffentliche Schulprüfung war am 25. Februar. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut.

Am 16. Februar wurde des 400 jährigen Geburtstages Melanchtons[6] durch eine entsprechende Schulfeier gedacht.

Der hundertjährige Gedenktag der Geburt Kaiser Wilhelm I wurde am 22. März in der Schule feierlich begangen, auch der folgende Tag war ein schulfreier Tag, der zu einem Ausfluge der Schüler mit dem Lehrer bestimmt war, aber wegen der ungünstigen Witterung unterbleiben musste.

Es wurden noch 4 neue Schultische mit Bänken angeschafft. Jetzt sind 13 vier- und 2 dreisitzige Schultische mit Bänken vorhanden.

Im Winterhalbjahr 1897/98 waren 54 Schüler vorhanden, 28 Knaben und 26 Mädchen.

[1898]

Confirmiert wurden im Frühjahre 1898 neun Schüler, 6 Knaben und 3 Mädchen. Zu Anfang des Sommerhalbjahres wurden 6 Kinder aufgenommen, 3 Knaben und 3 Mädchen.

Im Sommerhalbjahr 1898 waren 50 Schüler vorhanden, darunter 23 Knaben und 26 Mädchen, davon waren 5 auf 6 Monate dispensiert, nämlich 4 Knaben und 1 Mädchen waren auf 4 Monate dispensiert. Die Schulprüfung war am 3. März. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut.

Nach dem Lehrerbesoldungsgesetz vom 3. März 1897 beträgt das Grundgehalt der hiesigen Schulstelle vom 1. April 1897 an jährlich 1122 M, wodurch das Gehalt des Lehrers um 90 M erhöht worden ist. Der Wert der freien Feuerung ist auf 72 M geschätzt, welche Summe in dem Grundgehalt mit berechnet ist. Der Alterszulagensatz wurde auf 120 M festgesetzt. Das pensionsberechtigte Gehalt beträgt jetzt 1272 M für die hiesige Schulstelle.

Im Winterhalbjahr 1898/99 waren 52 Schüler vorhanden, 26 Knaben und 26 Mädchen.

[1899]

Confirmiert wurden im Frühjahre 1899 vier Schüler, darunter 3 Knaben und 1 Mädchen. Am 1. Mai 1899 wurden 8 Kinder aufgenommen, nämlich 4 Knaben und 4 Mädchen.

Im Sommerhalbjahr 1899 waren 54 Schüler vorhanden, darunter 25 Knaben und 29 Mädchen, davon waren 3 auf 6 Monate dispensiert von der Schule, nämlich 2 Knaben und 1 Mädchen, alle waren über 12 Jahre alt. 2 Knaben waren auf 4 Monate, 1 Knabe auf 3 Monate und 1 Knabe auf 2 Monate dispensiert. Die öffentliche Schulprüfung war am 1. März. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut.

In den Monaten Juli, August und September war auf Wunsch des Schulkollegiums und mit Genehmigung der Königlichen Regierung die Halbtagschule eingeführt. Die Unterrichtszeit war von 7 bis 12 Uhr des Vormittags.

An Lehrmittel wurde für die Schule angeschafft: „Dr. Mehlmanns Wandtafeln“ zum Leitfaden für den Zeichenunterricht.

In der letzten Schulstunde des Jahres 1899 wurde eine Schulfeier abgehalten, wobei die Schüler und Schülerinnen auf die Bedeutsamkeit der nächsten Jahreswende hingewiesen wurden. Die Feier begann mit dem Singen des Liedes 263 im Gesangbuche. Darauf wurde den Kindern ein Rückblick auf die Ereignisse des zu Ende gehenden Jahrhunderts gegeben und ihnen zum Bewußtsein gebracht, daß die Pflicht des heranwachsenden Geschlecht sei, mit dank gegen Gott das von den Vätern überkommende Erbe in treue zu bewahren und fördern zu helfen. Mit dem Singen des Gesangs 266 und mit einem Gebet des Lehrers wurde die Feier geschlossen.

[1]  Pocken

[2]  Matrikel (lat.) Verzeichnis, Liste

[3]  Disposition v. lat.: dispositio = Aufteilung, Zuweisung; Anordnung, Aufstellung, Gliederung, Plan

[4] dispensiert bedeutet beurlaubt. Dies kann aus disziplinarischen Gründen oder Krankheit geschehen sein. In besonderen Fällen wurden Kinder beurlaubt, um den Eltern auf dem Hof zu helfen.

[5] Grippe

[6] Melanchton motivierte Luther, die Bibel in ein für das Volk verständliches Deutsch zu übersetzen

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