Geschichtliche Daten

Geschichtliche Daten                                                                                    von Erwin Voß

Geest wird der Mittelrücken Schleswig-Holsteins genannt. Der Begriff leitet sich vom altfriesischen „gêst“ oder „gâst“ ab, das für trocken steht. Das althochdeutsche „keisinî“ bedeutet Unfruchtbarkeit und Armut. In Niederdeutschen wurde daraus „göst“ und „güst“ für eben unfruchtbar und trocken. Man unterscheidet zwischen der „hohen Geest“ die durch Altmoränen geprägt ist und der flachen, der Vor- oder Sandergeest.
Die Barmstedt-Kisdorfer Geest setzt sich hinsichtlich ihrer Entstehungsgeschichte und Oberflächengestalt aus drei ungleichen Teilen zusammen: Im Westen liegt ein saalezeitliches Grundmoränengebiet, in der Mitte der Kaltenkirchener Sander, im Osten ein jüngeres Stauchmoränengebiet, der Kisdorfer Wohld. Einige Gebiete am Ostrand des Naturraums wurden erst in der Weichsel-Eiszeit geformt, zum Beispiel das Kayhuder Gletscherzungenbecken an der oberen Alster.
Die westliche Grundmoränenplatte zwischen Hohenfelde bzw. Horst und Barmstedt – die Barmstedt-Pinneberger Geest – weist nur geringe Höhenunterschiede auf und trägt längs der Offenau und zwischen Bokelseß und Klein Offenseth einige größere Moore.
Dagegen zeichnet sich der östlich gelegene Kisdorfer Wohld durch ein recht lebhaftes Relief aus, wie es einem jüngeren Endmoränengebiet entspricht. Er stellt eine nordsüdlich verlaufende Stauchmoränenstaffel aus dem Warthestadium, einem späten Stadium der Saaleeiszeit, dar. Um den Höhenzug Rathkrügen, der sich bis 91 m erhebt, liegen größere Flächen mit mehr als 80 m Höhe, auch nördlich davon werden auf dem Liethberg und Kattenberg noch 65 m erreicht.
An den Kisdorfer Wohld schließt sich nach Westen der ausgedehnte Kaltenkirchener Sander an, der bei Lentföhrden und Nützen Reste eines kleinen, nach Westen vorgeschobenen Endmoränenzuges um- und überschüttet. Die Schmelzwässer flossen vorwiegend nach Westen und Südwesten ab. Bei Ulzburg und Kaltenkirchen liegt der Ansatzpunkt der Sanderflächen zwischen 40 und 44 m. Die Höhen senken sich nach Westen bzw. Südwesten bis auf knapp 15 m in etwa 15 km Entfernung vom Rand der zugehörigen Endmoräne.
Überall im mittleren Holstein weichen die Randlagen der am weitesten nach Westen vorgestoßenen Gletscher des Warthestadiums und der späteren Weichsel-Eiszeit mitunter nur wenig voneinander ab. Das ist besonders östlich und südöstlich des Kisdorfer Wohlds der Fall. Weichseleiszeitliche Gletscherzungen drangen vom Kayhuder Becken an der oberen Alster her nach Westen vor. Die heutigen Moore an der oberen Alster und die flachen Ränder des Beckens sind darauf zurückzuführen, dass hier lange Zeit ein großer Schmelzwasserstausee bestand. Ein kleinerer Vorstoß weichselzeitlicher Gletscher erfolgte von Seth aus in westlicher Richtung, ohne dass er bedeutendere Endmoränen aufgestaucht hätte. Am Ostrand des Kisdorfer Wohldes zwischen Itzstedt und Sievershütten liegt ein mehrere Kilometer breites weichseleiszeitliches Zungenbecken mit dem Tunneltal der Seebek bzw. Rönne, dem Itzstedter See und ausgedehnten Mooren.
Die Bodenverhältnisse in der Geest entsprechend der wechselvollen Entstehungsgeschichte des Naturraums. Im Gebiet des Kaltenkirchener Sanders überwiegen feuchte, häufig vermoorte Böden mit Orterde oder Ortstein. Sie sind ausgelaugt und nährstoffarm. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts bildete die Lentföhrden-Nützener Heide, die sich von Kaltenkirchen über das Rantzauer Gebiet bis in die Nähe von Barmstedt hinzog, eine der größten geschlossenen Heiden Schleswig-Holsteins. Die Heideflächen sind zum größten Teil kultiviert worden. Erst Mergelung und künstliche Düngung anstelle der früher weit verbreiteten Düngung mit Heide- und Wiesensoden haben die Ertragsfähigkeit der Böden gesteigert.

Von den Menschen, die vor 5 000 v.Chr. gelebt haben, wissen wir wenig, und über ihre Siedlungsverhältnisse lässt sich nichts genaues sagen. Bekannter werden uns die Menschen der jüngeren Steinzeit ( 5 000 – 2 000 v.Chr.) und der vorchristlichen Eisenzeit (500 vor bis 500 n-Chr.).
Die vorgeschichtlichen Bewohner unserer Landschaft legten ihre Siedlungen gern auf Sandhöhen an, die von Wiesen und sumpfigem Gelände umgeben waren. Ja, ich möchte sagen, dass Menschen, die auf sich alleine gestellt waren, noch größere
Ansprüche an einen Platz für ihren Wohnsitz stellen mussten: Er musste ihnen Nahrung bieten, ihnen Möglichkeit geben, sich in kalter Jahreszeit gegen die Kälte zu schützen, ihnen Baumaterial für ihre Behausung und für diese wiederum feste Bauplätze gewähren.
Einen solch idealen Siedlungsplatz stellt die Gemarkung Lentföhrden dar. Die Dreckau, welche sich nahe an der südlichen Grenze des sandigen Geländes hinzog, bot genügend Trinkwasser für Mensch und Tier. Weiter östlich sorgte sie mit ihrem Mündungsfluss, der Ohlau, für die Bewässerung der Wiesen und gab auch dem Vieh, welches man im Sommer in größerer Entfernung vom Dorfe hütete, genügend Trinkwasser.
In dem sich vom Süden nach Westen ziehenden Moor- und Heidegebiet konnten sich die Menschen Torf machen und Heide als Streu fürs Vieh gewinnen. Im Anschluss an das breite Wiesental zog sich östlich davon ein ausgedehnter Waldstreifen, der Bau- und Brennmaterial lieferte hin. Vom Zentrum des eigentlichen Lebensgebietes aus sich nach Westen und Norden hinziehend lag schließlich der schönste Baugrund, den sich die Menschen überhaupt denken konnten.

Wie die Masse der bronzezeitlichen Funde Gräbern oder Depots entstammt, so ist auch der größte Fund in unserer Umgebung der Depotfund von Lentföhrden. Die ältesten Zeugen von der Besiedlung des Gebietes sind in ihm gemachte Funde. Die Sammlung der Schule zeigt u.A. Steinbeil, -hammer und -schaber. Bei Regulierungsarbeiten der geschichtebeilKrummbeeksau entdeckte man Küchenabfallhaufen unserer Vorfahren. Im Jahre 1907 wurde an der Krummbeeksbrücke eine bronzene Speerspitze gefunden, deren Alter auf 3 000 bis 4 000 Jahre geschätzt wurde. Das Gerät wurde dem Altertumsmuseum in Kiel übergeben. Wie mag in dieser Zeit unsere Heimat ausgesehen haben? Vielleicht geht man nicht fehl, wenn man annimmt, daß dort, wo heute die Rieselwiesen sind, einst ein breiter Strom war. Ist es doch erwiesen, daß sich unsere Vorfahren mit besonderer Vorliebe an Flussniederungen niederließen. Nördlich von Lentföhrden gab es nach einer Meldung aus dem Jahre 1837 noch viele Grabhügel, von denen heute kaum noch einer erhalten ist. Aus ihnen barg man pfeil- und lanzenförmige Werkzeuge. Die letzten waren noch auf dem „Grevensbarg“ und dem „Dellenbarg“ zu finden. Anfang des Jahrhunderts ist das Hünengrab auf dem „Kreinbarg“, das auf  „voer de Dreckdeel“ (Sportplatz) befindliche und das im „Achtern Dreck“ (im Vorgarten von Ernst Schröder) liegende Hünengrab abgetragen worden. Ferner befanden sich mehrere Hünengräber am Hockensee-Moor. Dort sind an einer Stelle, westlich von Springhirsch, noch heute die Reste von 28 kleineren Hünengräbern, die einst durchwühlt wurden, zu sehen.
Die Lentföhrdener Heide war in früheren Jahrhunderten eines der größten zusammenhängenden Heidegebiete Schleswig-Holstein. Vor gut 100 Jahren wurden allerdings beträchtliche Flächen aufgeforstet.

Was bedeutet nun der Name Lentföhrden?                                                                       

Will man an eine Wortdeutung herangehen, so muß man dazu die älteste Schreibweise benutzen. Diese finden wir in den anfangs genannten Urkunden. Dort ist die Schreibweise „Lenthford“ und „Lenthforth“ gebräuchlich. Die Silbe „ford“ bzw. „forth“ bedeutet soviel als Furt. Die Furt war dort, wo heute die Altona-Kieler Chaussee die Au kreuzt; denn die Wiesen heißen dort „Weddel“. Die Silbe „wedel“ oder „weddel“ bedeutet dasselbe wie „ford“. Das Land südlich der Au heißt „övern Weddel“ (nicht „wörl“, wie es heute irrtümlicher Weise genannt wird). Welche Bedeutung nun die Silbe „lenth“ hat, ist nicht ganz leicht zu sagen. Sollte „lenth“ mit dem althochdeutschen Wort „lede“, das soviel wie Wasserlauf bedeutet, zusammenhängen? Die Silbe „ford“ zeigt uns, daß der Name Lentföhrden schon sehr alt sein muß.  Aus den in der altholsteinischen Kolonie fehlenden Namen lässt sich erkennen welche holsteinischen Namenwörter zu dieser Zeit (12. Jahrhundert) bereits abgestorben waren. Unter diesen Wörtern befinden sich auch „ford“ und „borstel“. Der Name „ford“ beweist, dass hier seit ältester Zeit ein gewisser Verkehr gewesen ist. Der älteste Durchgangsweg führte wahrscheinlich von Nützen über „Ohlen Möhlen“ durch den „Weddel“ am „Borstel“ entlang durch den „Brook“ nach Bramstedt. Die alte Landstraße, die von Nützen über Hohenstegen nach Bramstedt geht, ist sehr wahrscheinlich erst im Mittelalter entstanden.

Der Name „Tiberg“ ist ebenfalls germanischen Ursprungs. Es ist die alte Thingstätte. Hier versammelten sich unsere Vorfahren, um nach germanischen, ungeschriebenen Gesetzen Gericht abzuhalten. Streitigkeiten innerhalb der Sippe wurden hier beigelegt. Ferner wurden nach altgermanischem Brauch die Ehe auf der Thingstätte geschlossen. Wenn der „Tiberg“ reden könnte, was könnte er alles aus dieser längst vergangenen Zeit berichten! Es ist eine bekannte Tatsache, daß Stätten, die eine besondere Bedeutung hatten, mit sagenhaften Erzählungen umgeben wurden, die dann von Mund zu Mund gingen und von denen einige bis in die Gegenwart erhalten sind. Hierzu gehört auch die Sage: Sie lautet: „Seit alter Zeit geht die Sage, daß auf dem Tiberg eine goldene Wiege vergraben sei. Oft hat man versucht, den Schatz zu finden. Eines Tages nun grub abermals einer nach dem Schatz. Nachdem er ein größeres Loch gegraben hatte, entdeckte er plötzlich die goldene Wiege. Vor lauter Freude rief er „Ick hev de guln Weeg fun´n“. Er hatte aber diese Worte kaum ausgesprochen, da fiel das Loch vor seinen Augen zu. Man machte sich jetzt sofort daran, die goldene Wiege herauszugraben, aber leider vergebens. Die goldene Wiege war verschwunden, und die ist bis auf den heutigen Tag von keinem jemals wieder gesehen.“ Eine andere sagenhafte Erzählung ist die von der „Goldkuhl“. Die „Goldkuhl“ befindet sich an dem schon genannten Weg zwischen Lentföhrden und Nützen und zwar dort, wo die Gemeindegrenze den Weg kreuzt. Sicherlich war es dort in alten Zeiten nicht geheuer, denn hier soll, wie die Sage erzählt, um Mitternacht eine alte Hexe sitzen und spinnen. Sie sitzt hinter einem goldenen Spinnrad und spinnt Därme. Der von ihr benutzte Haspel soll ebenfalls aus Gold sein. Von anderer Seite wird behauptet, daß dort um Mitternacht ein alter Mann sitzt und Geld zählt.

Da oft die Frage, welche Bedeutung unsere Flurnamen haben, aufgeworfen wird, erscheint es angebracht, hierüber, soweit es möglich ist, Erklärungen zu geben. Auch kann uns eine nähere Betrachtung der Flurnamen Aufschluß darüber geben, wie es einst in unserer Feldmark ausgesehen hat. Es ist natürlich nicht möglich für sämtliche Flurnamen eine Erklärung zu geben, denn einige Flurnamen sind im Laufe der Zeit derartig entstellt, daß eine Erklärung dieser Namen ein gewagtes Unternehmen wäre. Zunächst sollen diejenigen Namen erwähnt werden, die auf eine sumpfige Gegend hinweisen. Eine von Wasser durchzogene, mit Bäumen bewachsene Fläche wurde Brook genannt. Born bedeutet soviel wie Quelle. Die Silbe „sik“, die wir in „Sikhörn“ vorfinden, ist die Bezeichnung für eine Niederung mit einer Wasserrinne. Ein kleines Wasserloch nannte man in alter zeit „pütt“ oder „püt“ (Püthorn). In dem Namen „Horwisch“ ist die Silbe „horge“ enthalten, die soviel wie Schlamm bedeutet. Die Silbe „kat“ gleich Schmutz, haben wir in den Flurnamen „Katkuhl“ und „Kattenberg“. Heideflächen mit kleinen Holzungen nannte man „virt“ (groen Viert und Viert). Das Wort „knüll“ war die Bezeichnung für kleine Hügel (Püthorns Knüll und Brooks Knüll).

Aufschluß über die Bewirtschaftung des Bodens geben uns die Namen „Acker“ und „Kamp“. Der Name „Acker“, der von beiden der ältere ist, führt uns in das 8. Jahrhundert zurück, denn in dieser Zeit begann man mit der planmäßigen Bewirtschaftung des Bodens. Es ist also anzunehmen, daß das Land „op´n Ackern“ zuerst beackert wurde. Nach und nach wurden dann auch der „lütten und groten Kamp“, der „Papenkamp“ und „Dohlkamp“ bebaut. Als Deelwiesen wurden diejenigen Wiesen bezeichnet, die man sich teilte (plattdeutsch deeln). Die Deelwiesen sind die Wiesen von der Waldburg bis nach der Schafsbrücke. Wir finden dort die Namen „achtern Deel“ (heute „Argenwisch“ genannt), Deel (nördlich von der Au), die Wiesen von H. Ratjen bis zur Brücke nannte man „Dreckdeel“, woraus zu entnehmen ist, daß es weniger gute Wiesen waren. Nach dem soeben Gesagten erübrigt es sich, den Namen „achtern Dreck“ (bei Ernst Schröder) zu erklären. Die Namen Tiberg, der schon erwähnt wurde, sowie Woansberg (auf der Karte Wahrensberg) führen uns in die älteste Zeit. Der Woansberg, der an dem Weg nach Schmalfeld liegt, war wohl der Berg, der dem Gotte Wodan geweiht war. Es seien noch zwei Flurnamen erwähnt, nämlich „horn“ und „krog“. Die Silbe „horn“, die in den Namen Böschhörn, Dierckshörn, Ehmkhörn, Püthörn, Sikhörn und Kronshörn vorkommt, bedeutet Winkel, abseits liegendes Land.
Urkunden, in denen über geschichtliche Begebenheiten in älterer Zeit berichtet wird, sind nicht bekannt.
Die älteste bekannte schriftliche Urkunde über Lentföhrden stammt aus dem Jahre 1523. Sie beschreibt die Abgaben der freien Bauern aus dein Kirchspiel Kaltenkirchen, Auszug aus dem Segeberger Amtsregister von 1523:
Zu den Abgaben, die die Bauern zu leisten hatten, gehörte der Schatz. Er war eine Wehrsteuer, die an den Landesherrn gezahlt wurde. In einem Ausruf; aus dem Segeberger Amtsregister von 1523 werden die Leistungen aus den einzelnen Dörfern des Kirchspiels Kaltenkirchen aufgeführt. Die damals noch freien Bauern Lentföhrdens zahlten zusammen 2 Mark. Diese Wehrsteuer wurde von den Hufnern aufgebracht. Die Kätner brauchten für den Schatz nicht zu zahlen, sie leisteten das Verbittelsgeld. Dieses war eine Abgabe an den Gerichtsherrn, in dessen Schutz sie sich gestellt hatten.

Jaerlych Schad uch dem Karspell Koldenkarke

kirchspiel1523

Tho Koldenkarke (Kaltenkirchen).3 m 1 Schilling
Tho Smalevelde (Schmalfeldt) ……12 m
Orstorpp (Oersdorf).………………….8 m  7 Schilling
Kvstorpp (Kisdorf)…………………….22 m 9 Schilling 6 Pf
Hennstede (Hennstedt).…………….21 m 12 Schilling 6 Pf
Oldzeborgh (Ulzburg)..……………..8 m 12 Schilling
Weddelbroecke (Weddelbrook)….2 m 6 Schilling
Gudzbarge (Grützberg).…………….7 m 4 Schilling
Lenndefoör (Lentföhrden).………..12 m
Nydzynge (Nützen)..………………….5 m 6 Schilling
Cattendorpp (Kattendorf)………….12 m

Summa lateris                     115 m 10 Schilling

Die zweitälteste bekannte schriftliche Urkunde über Lentföhrden stammt aus dem Jahre 1537. Es handelt sich um eine Rechnung der Amtskasse Segeberg. Die Einnahmen des Amtes bestanden damals in erster Linie schon aus Geldabgaben. Es sind dieses die „Grundhür“ (Grundsteuer), der „jarlyken Schatth“ (jährliche Schätzung) aus den Kirchspielen Bad Bramstedt und Kaltenkirchen, der „sosteynde Pennink“  (sechzehnte Pfennig) aus dem ganzen Amtsbezirk, daneben einige kleinere Einkünfte wie „Jachtgellt“, (Jagdgeld) „Rodegeltt“, „Kalkgeltt“ , „Mastegeltt“ u.a. Für eine Reihe Dörfer bestand daneben noch eine Roggenlieferung. Die Rechnung war für alle Dörfer des Kirchspiels Kaltenkirchen ausgestellt. Ich gebe folgenden Auszug davon:
„Die dem Amte pflichtigen Bauern und Kätner sind in den einzelnen Dörfern folgende:“
..Lentforth: „Jarlyken Schatth“ ,“Sosteynden Pennin“, „Wisckgeltt“ (Wiesengeld): Hinrick Dammann, Clawes Symons, Arenth Moer, Hans Gülcken, Tymme Boyen, Hinrik Stamer Johann, Tyes Gülcken, Marquardt Gülcken, Eler Boyen.“
Es waren also nur neun Steuerzahler im Dorf vorhanden. Interessant ist zu beobachten, wie sich die Schreibweise des Ortsnamens als auch die der Familiennamen im Laufe der Jahrhunderte änderte.
Aus dem Jahre 1567 liegt folgende Amtsrechnung vor:

Lentsforde:

Hans Gülcken
Hinnerk Gülcken,
Hans Gülcken,
Marquardt Bowy
Stamer Johann (Hieraus wurde der Familienname „Stamerjohann“ )
Hinnerk Dammann
Hans Bickow (schlecht zu lesen
Hans Simons (nicht mehr mit y)
………(unleserlich geschrieben)
Arendt Mhoer
Eckard Damman
Timmy Bowy
Lucho Tymmy Biehl
Johannes Simons

Jeder dieser Steuerzahler musste 6 Rbth. bezahlen.
Die Familien Gülcken, Boye-Bowy, Dammann und Simons sind geblieben. Der Name Moer fehlt. Möglich ist allerdings, dass sich auch hier die andere Schreibweise langsam entwickelt und dass der Arendt Moer mit dem Aurudt Mhorn verwandt ist. Als ganz neu hinzugekommen sind die Namen Biehl und Bickow. Da der Name Bickow undeutlich geschrieben war und in keiner der folgenden Akten wiederkehrt, der Name Rickert früher Rickers aber seit Jahrhunderten in Lentföhrden zu finden ist, kann man annehmen, dass Bickow „Rickers“ heißen könnte.
Achtzig Jahre später findet man in den Akten der Amtskasse Segeberg verzeichnet:
1646/47 „In diesem Jahre mangelt das Bramstedter Dienstregister..“
Bei vielen Dörfern steht außerdem die Anmerkung:
„Abgebrannt…………….“
Lentföhrden ist in diesem Jahre gar nicht verzeichnet.
Im Archiv des Kaltenkirchener Kirchspiels findet man folgendes:
„Amtliche Berichte über die Schwedenzeit 1643-45 im Amte Segeberg:
Koldenkirchen Kirchspiel…..
Lendtvörde:
Hieselbsten wohnen eilff Hüfener und 2 Kötener welche gar abgebrandt und wenig wiederumb erbauet, dahero große Armuth bey ihnen vorhanden. Erachten dieserwegen, dass ihnen für dieß Jahr die Abgifte müße nachgegeben werden.“

Lentföhrden zeigte folgende Entwicklung: (1)

 1526    1560    1600    1632    1665    1714    1760
1/1                                        12        12        12        12        12        11        12
1/4                                          –          1          3          2          2           1        1
E.K.                                        –          –           –          –           –           –        2
Die Zahl der Abgabepflichtigen hat sich von 12 auf 15 erhöht. Sie ist eigentlich schon um 1600 erreicht und bestand – abgesehen von den durch die Kriegszeiten hervorgerufenen Schwankungen – um 1760 noch unverändert. Daraus ist zu schließen, daß in diesem Dorf nur eine geringe Siedlungstätigkeit stattgefunden haben kann. Das ist erklärlich, da Lentföhrden räumlich am weitesten vom Kisdorfer Wohld entfernt liegt. Die im Westen liegenden Heide- und Moorgebiete lockten zu damaliger Zeit noch nicht. Daß aber eine Erweiterung des Pfluglandes stattgefunden hat, geht daraus hervor, daß der Jährliche Schatz von 12 Mk im Jahre 1526 auf reichlich 18 Mk im 17. Jahrhundert anstieg, dann aber auf dieser Höhe verharrt. Dazu kam eine Wischhaur, die zunächst 2 Mk 13 Sch. betrug, dann aber auf 8 Mk 4 Sch. anwächst. An dieser Wischhaur ist ein Hufner nicht beteiligt. Die Kultivierung des Siekhorn war wieder alleinige Angelegenheit der Hufner. Da die Möglichkeiten der Landnahme gering waren, ist auch die Siedlungstätigkeit klein und entspricht etwa der der übrigen Kirchspiele des Amtes Segeberg vor der Verkoppelung

Die Sage erzählt zu der Ursache dieser Brandkatastrophe aus dem 30jährigen Krieg folgendes:

heerweg„Ein Trupp schwedischer Söldner zog längs des Ochsenweges. (Dieser führt in etwa 800 m am Dorfe vorbei). Die Furt durch die Krummbeeksau hatte außerdem solche Lage, dass sie jeden Durchreisenden direkt vom Dorfe ablenkte. Als diese Söldner nun schon die Höhe von Lentföhrden passiert hatten, hörten sie schräg hinter sich einen Hahn krähen. Sie schlossen natürlich auf Grund des gehörten Hahnenschreies auf eine menschliche Siedlung, gingen zurück und benutzten jetzt den weniger befahrenen Weg, der ins Dorf führte. Hier plünderten sie und zündeten dann die Häuser an.“
(Auf der Karte ist der alte Heerweg eingezeichnet)

Auf einer „Landkarte von dem Fürstenthumbe Stormarn Anno 1650“  findet man Lentföhrden als Limford verzeichnet.

Über das Kriegsjahr 1700 (Nordischer Krieg) geben die Kirchenbücher folgende Auskunft:

„Es starben an der Roten Ruhr:“
30.Sept.          Jakob Wehlings Töchterlein aus Lendförd im 3. Jahr
5.Okt.              Hinrich Sieme aus Lentförd Tochter Catrin Margareth
20.Okt.            Jasper Gülken aus Lendfoers Töchterlein Catrin

Gerade diese Eintragung ist uns die beste Anschauung, mit welcher Großzügigkeit die Schreibung der Namen behandelt  wurde. In dem kurzen Zeitraum von drei Wochen benutzte man für den Ortsnamen drei verschiedene Schreibweisen.
Über den Krieg selbst liest man ebenfalls in den Kirchenbüchern:
„Die verängstigte Bevölkerung flüchtete in das Moor und in die Heide.“
Wie groß die Furcht und die allgemeine Not gewesen ist, geht besonders aus folgender Darstellung hervor:
„Den 4. Juny ist Hans Gülken Insten in Lentförd, nachdem dessen Frau in der Heyde entbunden, dahin sie geflüchtet und einen Sohn zur Welt getragen, der in Barmstedt getauft und Hans genannt.“
Im großen und ganzen scheint es aber nicht so schlimm gewesen zu sein, wie es im 30 jährigen Kriege war, denn in dem darauf folgenden Jahre wurden laut einer Amtsrechnung der Segeberger Amtskasse Steuern von den Einwohnern eingezogen. Die Höhe derselben wurde nach „Pflügen“ berechnet. Es ist hier nicht gemeint, wie viel Pflüge auf dem Hofe waren, sondern „Pflug“ entsprach einem Landmaß, und zwar 97 Tonnen (48 1/2 Hektar).

„Amtsrechnung 1701/02.

Pflüge                                                                                   Rth.        Sch.
2              Jasper Siemens                                                  66           –­
1              Hans Dammann                                                 31           16
1              Johann Gülcken                                                 24           32
1              Hinrich Siemens                                                21            16
1              Marx Biehl                                                          21           16
1              Hinrich Ohrt                                                       31           16
1              Jasper Gülcken                                                  24           32
1              Johann Göttsche                                                24           32
1              Klaus Hinrich Ohrt                                            38           —
1              Jasper Gülcken                                                  42           —
1              Tim Runge                                                          24           32
1/4          Timm Damma und Marx                                 5              –

Nach einer in den Kirchenbüchern im Jahre 1740 vorgenommenen Eintragung hatte Lentföhrden 14 sesshafte Familien, und zwar handelte es sich um folgende:

Vollhufner:
Jasper Siems                    Johann Gülke
Stoffer Hartmann           Johann Götzke
Ties Wessel                      Klaus Hinrich Ohrt
Hinrich Siems                  Hans Boye
Mary Biehl                        Hinrich Gülke
Jochim Gripp

Viertelhufner:
Hinrich Föster

In der Heide:
Hinrich Wehling            Peter Adler

Hauerlinge und Insten, welche oftmals den Wohnsitz änderten, sind hier nicht aufgeführt.

Über die Zeit der napoleonischen Kriege besagen die Bücher folgendes:
Im Jahre 1808 zogen verbündete Truppen von Elmshorn kommend durch unser Kirchspiel und mussten auch zum Teil einquartiert werden. Da das nächste Ziel dieser Truppen Oldesloe war, ist es fraglich, ob Lentföhrden von diesen Einquartierung gehabt hat.

Anders ist es in den Jahren 1813/14 gewesen.

Verschiedene Berichte unseren Kirchspiels besagen, dass beim Durchzug der russischen Truppen eine schlimme Zeit für die Bewohner begann. Während jedoch von anderen Orten Belege von Plünderungen vorliegen, fehlen solche im allgemeinen für Lentföhrden. Nur ein Beleg ist vorhanden, in dem gesagt wird, dass dem Klaus Siems im Dezember 1813 ein Pferd im Werte von 82 Rbth., ein Wagen mit Körben und Stühlen (40 Rbth.) und ein Reitsattel (4 Rbth.) von den fremden Truppen genommen seien.

Aus mehreren Berichten dieser Zeit geht hervor, dass Plünderungen und Militärbedrückung auch nach Abschluss des Kieler Friedens am 14. Januar 1814 fortdauerten. Ältere Leute können sich noch entsinnen, dass in ihrer Jugendzeit alte Leute oft aus dieser Notzeit erzählten. Groß war die Last, die der Bevölkerung durch die Einquartierung auferlegt wurde. Aus der Kriegszeit fehlt hierüber jegliches Material. Die Unterlagen sind erst seit dem 14. Januar 1814 vorhanden.
Vom 11. Juni bis 25. Dezember 1814 waren hier mit Ausnahme einiger Tage durchziehende russische Truppen im Quartier. Sehr oft waren es mehr als 200 Mann. Am 13. und 14. August 1814 lagen hier sogar 333 Mann und 9 Offiziere.
Wenn man bedenkt, dass die Einquartierten auch verpflegt werden mussten, ohne dafür zu bezahlen, kann man sich vorstellen, wie die Leute sich gefreut haben, als die letzten Truppen am 25. Dezember 1814 aus Lentföhrden abzogen.
Nach einer Aufstellung der Verpflegungskosten, welche 1817 beim Kirchspielvogt eingereicht werden musste, betrugen die Kosten 6 803 Mark 2 Schilling. Der Grobschmied Friedrich Zunka, der während dieser Zeit seine Schmiede den durchziehenden Truppen überlassen musste, forderte für 24 Tonnen Kohle 21 Mark 4 Schilling, für 7 Paar Hufeisen 5 Mark 11 Schilling, für entstandenen Gerätschaden 10 Mark 12 Schilling.
Von den während dieser Zeit entstandenen Kosten wurden der Gemeinde Lentföhrden im Jahre 1818 gut 1000 Taler vergütet.
Die Abgabe landwirtschaftlicher Erzeugnisse an die Magazine in Trittau, Ahrensburg und Bramstedt war eine weitere Belastung. So musste, wie es in einer Aufforderung vom 20.Dezember 1813 heißt, von der Gemeinde Lentföhrden an das Bramstedter Magazin geliefert werden:

49 Tonnen Roggen,

16  Tonnen 1 1/2 Scheffel     Hafer
6 454 Pfund                            Heu
4 473 Pfund                            Stroh
11 Tonnen                              Kartoffeln
und 15 Kühe je 250 Pfund.

Es heißt in diesem Schreiben, dass die benannten Sachen, außer Roggen und Kühen, innerhalb von drei Tagen dort abzuliefern seien. Der Roggen musste bereitgehalten werden, so dass er innerhalb von 24 Stunden geliefert werden konnte. Die Kühe mussten innerhalb von 10 Stunden nach Anforderung geliefert sein. Das Gewicht der Kühe, die am 18. Januar 1814 in Bramstedt abgeliefert wurden, ist je Tier mit 200 Pfund (zweihundert) angegeben.
Dass die Ablieferung an die Magazine nicht immer so erfolgte, wie man es wünschte, geht aus mehreren vorliegenden Schriftstücken hervor. Vielleicht lag es daran, dass die Bauern nicht mehr liefern konnten oder versuchten, von der Lieferung freizukommen.

Einwohnerzahlen in Lentföhrden seit 1828:

Jahr Anzahl Quelle
1828 190 Hell
1835 215 Hell
1847 207 Hell
1867 305 Hell
1871 281
1875 301
1880 314
1885 303
1888 436 G. Hoch
1908 370 Topographie 1908
1910 436 G. Hoch
1925 556 Hell
1946 1.501 Volkszählung 29.10.1946

 

Jahr 1949 1951 1955 1957 1959 1961
Einwohner 1374 1277 ~1200 ~1000 ~970 ~1000

 

Jahr 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999
Einwohner 1755 1767 1782 1790 1790 1843 1887 1888 2043 2083 2108 2178 2229

 

Jahr 2000 2001 2002 2005
Einwohner 2333 2313 2369 2333

 

(1) Bäuerliche Versiedlung im Kirchspiel Kaltenkirchen vor der Verkopplung  von Johann Schwettscher

Dieser Beitrag wurde unter Vor und Frühgeschichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar