Die Schule

Die Schule

bis 1950 Erwin Voss / Timmermann

ehem. Landwirt Pump – Ecke Tiebarg – Schulstrasse

Die älteste Nachricht über das Bestehen einer Schule gibt uns das Archiv der Kaltenkirchener Kirche. Dort steht: „24. November 1698 ist der alte Hinrich Schacht, vieljähriger Schulmeister in Lentford begraben“. Seinen Unterricht hat er wahrscheinlich in der Hirtenkate erteilt, die er auch gemeinsam mit dem Hirten bewohnte. Sie stand ungefähr dort, wo jetzt Gustav Koopmanns Haus liegt.  Die Schulchronik selbst reicht bis 1777 zurück. Sie gibt uns Kunde von der Beschaffenheit des Schulhauses. Leider ist zu damaliger Zeit wohl keine Chronik geführt worden, denn die Berichte sind später niedergeschrieben. Im folgenden soll versucht werden, durch einige Auszüge daraus die Entwicklung der Schule bis zur Gegenwart aufzuzeigen. „Das jetzige Schulhaus (ehem.Landwirt Pump – Ecke Tiebarg – Schulstrasse) zu Lentföhrden ist gebaut worden im Jahre 1777. Dasselbe war ursprünglich sehr klein. 9 Meter lang und zirka 9 Meter breit – und aus Fachwerk erbaut. Im Jahre 1829 wurde ein Anbau vorgenommen, wodurch das Gebäude um zirka 6 Meter länger und der neue Anbau reichlich 10 Meter breit gemacht wurde. Als die Schülerzahl sich vergrößerte, wurde der Raum in der Schulstube zu klein und daher wurde im Jahre 1850 das Schulgebäude wieder durch einen massiven Anbau um 7 Meter verlängert. Dieser Anbau ist ganz zur Schulstube eingerichtet. Über diesen wesentlichen Vergrößerungsbau berichten die Akten des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs in Schleswig folgendes: „Schon im Jahre 1847 war der Schulbau notwendig geworden. 1848 war die Zahl der Kinder derart angestiegen, dass sich auf Grund der Raumknappheit der damalige Lehrer Pohlmann gezwungen sah, die Klasse aufzuteilen. Er machte es in folgender Art: Für die oberen Jahrgänge hielt er die meiste Unterrichtszeit für notwendig, darum musste diese Stufe vor- und nachmittags zur Schule, und zwar vormittags im Verein mit der Mittelstufe und nachmittags mit der Unterstufe zusammen. Da Lehrer Pohlmann aber glaubte, dass eine Reihe von Schülern, wobei er wohl besonders die gemeint hat, die während des Sommerhalbjahres sowieso vom Unterricht dispensiert waren, bei dieser Unterrichtszeit zu kurz kämen, berief er den Schulvorstand ein. Er machte ihm den Vorschlag, dass er den betreffenden Kindern im Nachhilfeunterricht helfen wollte, wofür er aber von der Gemeinde (in den Berichten mit „Commune“ bezeichnet) eine Vergütung haben wollte. Der Schulvorstand genehmigte den Vorschlag. Ein von dem Schulinspektor an den Kirchenvisitatorium in Segeberg gerichtete Schreiben, in welchen die Schulnot von Lentföhrden dargestellt wurde, hatte den Erfolg, dass eine Kommission sich von der Lage überzeugte und einen entsprechenden Bericht an die Regierung weiterreichte. Als aber alles so weit genehmigt war und eine öffentliche Dorfversammlung einberufen wurde, schob man von hier aus den Plan hinaus. Von einigen Bauern wurde nämlich der Einwand gemacht, dass einmal die Einwohner sehr stark mit Steuern überlastet seien und man zum anderen in dieser unruhigen Zeit mit einem Kriege rechnen könne. Ebenfalls wurde die dem Lehrer vom Schulvorstand genehmigte Vergütung für geleistet Mehrstunden abgelehnt. Es blieb also vorläufig alles beim alten. Erst im Jahre 1849 wurde der Schulerweiterungsbau begonnen. 1850 konnten die Kinder in die neue Klasse einziehen. Der Umbau war von dem Bauunternehmer Pohlmann aus Kaltenkirchen für 2 990 M ausgeführt worden. In dieser Gestalt wurde das Schulhaus bis zum Jahre 1904 benutzt.  Über den Bau des neuen Schulhauses und seine Begleitumstände wird uns folgendes berichtet: „Die Schule in ihrer gegenwärtigen Gestalt 1904. Das verflossene Jahr ist für unseren Ort ein Jahr der Erneuerung und Neugestaltung gewesen. Die Ursache der selben war eine große Feuersbrunst, von der unser Dorf am 1.Juli heimgesucht wurde und der neun Häuser darunter vier stattliche sächsische Bauernhäuser, zum Opfer fielen. Aus den Trümmern wuchsen im Laufe des Jahres sieben größere und kleinere Häuser hervor, die unverkennbar zur Verschönerung unseres Ortes beitragen. Da das hiesige Schulhaus nicht mehr den Anforderungen unserer Zeit entsprach, wurde es in demselben Jahre durch ein neues ersetzt. Der stattliche Bau, eine Zierde des ganzen Ortes, erhebt sich auf dem höchst ­ gelegenen Platze des Dorfes, dem so genannten „Tiebarg“ weit hinausschauend ins umliegende Gelände. Sein rotes Ziegeldach überragt alle Dächer der ganzen Gemeinde. Entfernt von belebten Straßen liegt es still und ruhig da. Der Chronist berichtet dazu, dass die Einrichtung den amtlichen Vorschriften entsprach, die Ausstattung jedoch noch manches zu wünschen übrig ließ. Als Mangel an der Lehrerwohnung wurde das Fehlen einer Waschküche und Rauchkammer festgestellt. Im Jahresbericht 1904 ist vermerkt, dass das Schulhaus bereits am 1. November 1903 fertig gestellt war, wegen der darin herrschenden Feuchtigkeit und der damit verbundenen gesundheitsschädlichen Einflüsse aber wurde es erst Anfang des Jahres von den Kindern bezogen. Zur Einweihungsfeier am 7. Januar 1904 machte der Chronist dieselbe Feststellung, die ich auch leider in den letzten Jahren gemacht habe, nämlich dass die Eltern so wenig Interesse für die Schule aufbringen. Schon im Jahre 1906 liest man in der Chronik, dass die Kinderzahl 72 betrug und der Lehrer vermutet, dass die Schülerzahl in einigen Jahren auf 80 anwachsen würde, die Schule also zweiklassig werden müsste. Am 1. Mai 1909 war die Schülerzahl auf 86 angestiegen. Da die Kinder nicht in dem einen Raum untergebracht werden konnten, sah sich der Lehrer genötigt, die Klasse aufzuteilen. Die Ober- und Mittelstufe besuchten jeden Tag von 7 bis 11 Uhr die Schule. Die Unterstufe bekam an fünf Tagen in der Woche nachmittags von 1 bis 4 Uhr ihren Unterricht. Im Herbst des Jahres 1910 begann man mit dem Erweiterungsbau der Schule. Der neue Anbau sollte ein zweites Klassenzimmer sowie eine Wohnung für die zweite Lehrkraft enthalten. Am 20. Oktober 1910 war der Anbau im Rohbau fertig. Ostern 1911 wurde die Schule in eine zweiklassige verwandelt. Die zweite Lehrerstelle wurde mit einer Lehrerin besetzt.

Eine wesentliche Änderung hinsichtlich der Schülerzahl trat im Jahre 1945 ein. Verursacht durch den Flüchtlingsstrom aus den Ostgebieten war die Zahl der Schüler im Winter 1945/46 auf 150 gestiegen. Diese Zahl stieg durch die Schulneulinge (45) und die während des Sommers neu hinzukommenden Flüchtlingskinder auf etwa 220. Weil nur zwei Lehrkräfte in der Schule waren, war die Unterrichtszeit der Kinder, die in fünf Klassen unterrichtet werden mussten, sehr gering. Ostern 1947 betrug die Schülerzahl 241. Nach einer Verfügung des Ministeriums für Volksbildung sollten auf je 60 Schüler eine Lehrkraft kommen. Der Lehrermangel war aber wohl noch so groß, dass ein schon früher vom Schulleiter eingereichtes Gesuch um Einstellung einer dritten Lehrkraft erst im Juni 1947 berücksichtigt wurde. Eine kleine Erleichterung trat ja ein, immerhin aber hatte noch jede Lehrkraft zwei Klassen zu unterrichten. Da nur zwei Räume zur Verfügung standen, musste der Unterricht in einem Raum schichtweise vor sich gehen.  Als Ostern 1948 die Schülerzahl auf 260 anstieg, wurde die vierte Lehrkraft eingestellt. Jetzt waren beide Klassenräume den ganzen Tag besetzt. Die Unterrichtszeit belief sich je Klasse auf durchschnittlich 20 Stunden. Da außerdem aus dem Einwohner-Melderegister hervorging, dass ab Ostern 1949 die Schülerzahl um etwa 25 steigen würde, mussten unbedingt Mittel und Wege gefunden werden, einen dritten Klassenraum hinzuzubekommen. Es ergab sich die Möglichkeit durch Umbau innerhalb des Schulgebäudes einen Raum zu schaffen, der unter normalen Verhältnissen wohl zu klein war, in dem aber doch 40 bis 42 Kinder unterrichtet werden konnten. Dadurch konnten die Oberstufenkinder annähernd vollen Unterricht erhalten. In den 50er Jahren trat dann eine allmähliche Abwanderung nach Westdeutschland ein, so daß die Schülerzahlen wieder zurückgingen auf 80 – 90.

Als sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in den 60er Jahren besserten, war unsere Gemeinde sehr darum bemüht, die schulischen Verhältnisse zu verbessern. Als Standort für ein neues Schul- und Sportzentrum war das Gelände am Ortsausgang Richtung neueschuleHeidmoor vorgesehen.  Hier entstanden nacheinander: 1960/61 der neue Sportplatz, 1962 die Gymnastikhalle, 1963 die Lehrerdienstwohnung, 1966 zwei Klassenräume, 1974 zwei weitere Klassenräume. Unterrichtet wurden noch 1965 die in drei Klassen zusammengefaßten Klassen l bis 9 der Grund- und Hauptschule mit über einhundert Schülern in der „alten Schule“, dem heutigen Jugend- und Kulturzentrum. Im gleichen Jahr wurde mit dem Bau der zweiklassigen Schule neben der Gymnastikhalle begonnen. Seit dieser Zeit war die Schule ständigen baulichen Änderungen unterworfen. 1966 folgte die Einweihung der neuen Schule, obwohl die ersten beiden Klassen noch in der Dorfmitte verbleiben mussten. 1968 wurden die beiden Schulen von Lentföhrden und Nützen zusammengelegt. Mit Beginn des neuen Schuljahres wurden alle volksschulpflichtigen Schüler gemeinsam unterrichtet. 1969 beschloss die Gemeindevertretung den Beitritt zu einem baldmöglichst zu bildenden Schulverband zwischen den Gemeinden Lentföhrden, Nützen, Schmalfeldt, Hasenmoor, Hartenholm und Struvenhütten mit dem Ziel, für diesen Bereich eine gemeinsame  Hauptschule mit dem Standort in Kaltenkirchen zu betreiben

1972 wurde die Schule eine reine Grundschule. Die Hauptschüler erhielten ihren Unterricht in Kaltenkirchen an der Schule am Lakweg. Die zusammengelegte Grundschule Nützen / Lentföhrden bestand aus je vier Klassen mit etwa zweihundert Kindern. Anfang der 70´er Jahre musste eine Erweiterung in Angriff genommen werden. Zur Förderung des Sports wurden 1976 die Leichtathletikanlage D und 1982 die große Sporthalle gebaut. In einem knappen Jahrhundert hat sich unsere einfache Dörpschool zu einer Grundschule mit modernen Einrichtungen gewandelt. Ein neuer Gebäudetrakt wurde 1999 offiziell eingeweiht. Der 1,6 Millionen-Mark-Bau umfasst zwei Klassenräume, einen Gruppenraum, eine Pausenhalle, ein vergrößertes Lehrerzimmer sowie ein Schulleiterbüro mit Krankenzimmer. Vom Land Schleswig-Holstein ist der Erweiterungsbau mit 340 000 Mark und vom Kreis Segeberg mit 140 000 Mark bezuschusst worden. Die übrigen rund 1,2 Millionen Mark, durfte die Gemeinde als Investition für die Jugend bezahlen. Seit 1999 gibt es in den Räumen der Grundschule eine „Betreute Grundschule“. Die Schule wurde inzwischen eine „Verlässliche Grundschule“. Da es in der Schule schon wieder zu eng wurde, ist die Schule im Jahr 2002 um 2 Klassenräume erweitert worden..

Quelle: Aus der Geschichte unserer „Dörpschool“ von Arnold Timmermann und Entwicklung der Schule von Voss

Rektoren:

> 1689 Hinrich Schacht
Hinrich Viehmann
bis 1813 Johs. Rickert
1813 – 1830 Hans Pohlmann
1830 – 1865 Hans Pohlmann
1865 – 1903 Hinrich Pohlmann
1903 – 1905 Herm. Reinhold, Hennings Thode
1905 – 1948 Matthias Foderberg
1948 – 1960 Hans Hammerich
1960 – 1989 Arnold Timmermann
1989 – 1998 Günter Niebuhr
1999 – 2001 Joachim Wiehl
seit 2001 Elke Brandenburg-Raulien
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