Der Ochsenweg

Der Ochsenweg                                            von Erwin Voß

Einer der ältesten Hauptverkehrswege in Schleswig-Holstein ist der Ochsenweg, der von Hamburg aus an der Ostküste entlang führend die ganze zimbrische Halbinsel bis nach Dänemark hinein durchzieht.

Auf diesem fuhren seit alters her die Frachtfuhrwerke und die Postkutschen. Seinen Namen aber verdankt er den großen Ochsenherden, die von Dänemark zum Hamburger Ochsenmarkt getrieben wurden. Man kann sich wohl vorstellen, dass bei dem damaligen Zustand des Weges auch das beste Schuhzeug nach einem Marsch von einigen hundert Kilometern leiden musste. So hatte sich bei damaligen Dorfjugend folgender Neckspruch für die die dänischen Ochsentreiber herausgebildet:

„Hannemann kümmt von Jütland her,
Hannemann hett keen Stebeln mehr,
Hannemann mu sik neede kopen,
denn kann Hannemann beter lopen.“

Ochsenweg4Der Weg führte oft durch einsame Gegenden, durch Heiden, Wälder und mit Gestrüpp bestandene Ödländereien. Die einzigen menschlichen Siedlungen waren oft für lange Zeit die am Wege liegenden Gastwirtschaften. Hier kehrten die Treiber, sowie auch Fuhrleute und Reisende ein und nahmen Wegzehrung und auch wohl einen Schnaps zu sich.

Heute noch führen die damals am Ochsenweg gelegenen Gastwirtschaften die alten Namen, deren tieferer Sinn uns nach näherer Betrachtung klar wird Und dem damaligen Reisenden wohl oftmals zu denken gegeben hat. So heißt eine Gastwirtschaft in Angeln noch heute „Du büst Kropper Busch noch ni vörbi“. Dies sollte darauf hinweisen, dass man also nun durch eine verrufene Gegend kommen würde, zu deren Passierung eine vorherige Stärkung und ein evtl. angetrunkener Mut nur dienlich sein konnten. Ein in Nützen etwa 2 km von Lentföhrden entfernt liegende Gastwirtschaft mit dem Namen „Lurup“ weist darauf hin, dass hier Reisende aufeinander warten sollten, wahrscheinlich um wehrhafter zu sein; denn nun kam man bald durch das Gebiet welches der Raubritter Ultz aus Ulzburg unsicher machte.

Bei der Hogenstedener Brücke (Auequerung Strasse Richtung Schmalfeld) kommt der Ochsenweg, der hier jetzt „de ole Landstraat“ genannt wird auf Lentföhrdener Gemarkung. Diese Brücke ist sehr alt. Schon Wallenstein soll darüber gezogen sein. Auf dem anschließenden „Stritkamp“ sollen damals Kämpfe gewesen sein.

Noch heute führt der Weg breit durch die Gemarkung hindurch. Bei der jetzigen Krummbeeksbrücke war damals eine Furt, worauf wohl der letzte Teil des Namens Lentföhrden zurückzuführen ist. Auf einer alten Karte findet man es als Limford eingetragen. In alten Akten tritt der Name Lentford oder auch Lendvord auf. Bald nach dieser Furt tritt der Weg auf  Nützener Gemarkung über.

Als im Jahre 1764 in Bramstedt auf Anordnung des dänischen Königs Friedrich V. hin eine Poststation eingerichtet wurde, befuhren nun auch von hier aus die Postkutschen den Weg.

Sehr viel an Bedeutung verlor er, als im Jahre 1832 die Chaussee Kiel-Altona gebaut wurde. Das gesamte Fuhrwesen benutzte jetzt diese feste Straße. Für die Ochsentriften blieb er jedoch d e r Weg. Erst als die Eisenbahn ihre überzeugenden Vorteile ins Feld führte und die Marschbahn von Hamburg nach Tondern fertig gestellt war, ging auch der Viehtransport langsam auf diese über. Die neue Zeit hatte den Ochsenweg, diese Jahrhundertalte Landstraße überflüssig gemacht.

Einsam und verlassen liegt er noch heute in seiner ganzen Breite da. Oftmals allerdings ist doch nur eine Wagenspur vorhanden, die dann begleitet wird von zwei breiten Säumen dichten Gestrüpps.

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